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"Die Amerikaner passen gut auf“

Überraschende Kehrtwende der Bundesbank – das Gold der Bundesbank kommt nicht zurück

Mittwoch, 25 Juni 2014 15:18 geschrieben von 
Goldbarren Goldbarren Quelle: pixabay.com

Berlin - Trotz Zweifeln will die Bundesregierung ihre Goldreserven nun doch in den USA belassen. Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle, ist zuversichtlich: „Die Amerikaner passen gut auf unser Gold auf.“

Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren von verschiedenen Seiten gefordert, dass die Deutsche Bundesbank die gesamten im Ausland lagernden deutschen Goldreserven zurück nach Frankfurt holen solle. Verschiedentlich wurde geargwöhnt, das Gold sei längst nicht mehr da, verkauft worden oder gar eingeschmolzen.

So warnte der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler im Vorjahr, es sei nicht sicher, ob die großen Mengen an deutschen Goldbeständen überhaupt noch in den Lagerstätten im Ausland vorhanden seien. Vor diesem Hintergrund kommen die Äußerungen des haushaltspolitischen Sprechers der Unionsfraktion einem veritablen Kurswechsel gleich. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ erklärte Barthle jetzt, dass es keinen Grund für einen Rücktransport gebe: „Es gibt absolut keinen Grund für Misstrauen."

Vor der Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres sah es auch Barthles Partei noch ganz anders. Der CDU-Politiker Philipp Mißfelder, damals zuständig für die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA, wollte die Reserven komplett abziehen. Es wurde geplant, 84 Tonnen Gold aus den USA nach Deutschland rückzuführen. Es blieb bei bislang bescheidenen fünf Tonnen, und dabei wird es wohl auch bleiben.

Mißfelders Nachfolger Jürgen Hardt, ebenfalls CDU, vertritt mittlerweile die Meinung, „die Goldreserven sollten da sein, wo sie auch notfalls gebraucht werden“. Den Standort in New York solle man nicht auflassen. „Vieles spricht dafür, einen Teil des Goldes in New York und London zu belassen", meint auch Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele im Gespräch mit „Bloomberg News“. Im Ernstfall könne das Gold so binnen kürzester Zeit in Fremdwährung getauscht werden. Welchen Zweck eine solche Übung haben sollte, erklärte Thiele nicht.

Die Bundesbank besitzt mit rund 3.386 Tonnen die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Vor allem während des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1950ern stockte Deutschland seine Bestände enorm auf. Aufgrund der deutschen Nachkriegsgeschichte und der jahrzehntelangen Bedrohung Westeuropas durch den Warschauer Pakt befindet sich der größte Teil davon allerdings in den Tresoren der US-Notenbank in New York. Der Rest der Bestände wird in London, Paris und der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bundesbank verwahrt.

Während der Eurokrise kamen Zweifel an der Sicherheit des im Ausland gelagerten Goldes auf. Kritiker befürchteten, das Gold könnte sich womöglich nicht mehr in den Tresoren der „Federal Reserve“ (FED) befinden oder inzwischen durch minderwertiges Gold ersetzt worden sein. Seit mehreren Jahren wurde nicht mehr nachgezählt und nachgeprüft, ob die etwa 200.000 ziegelsteingroßen Barren tatsächlich noch da sind, ob sie noch der Bundesbank gehören und jederzeit vom rechtmäßigen Eigentümer abgeholt werden könnten.

Auf Anfrage des Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch befasste sich 2012 der Bundesrechnungshof mit diesen Gerüchten. Dessen abschließender Bericht verstärkte den Druck auf die Bundesregierung, ihre Bestände einer Inventur zu unterziehen und Gutachter nach New York zu senden, um Stichproben der Goldbarren zu nehmen.

Ursprünglich sollte die Hälfte des gesamten Goldes bis spätestens 2020 zurück in Deutschland sein. Jedoch kam es bereits im ersten Jahr zu starken Verzögerungen bei der Rückholung, was Bundesbank-Präsident Jens Weidmann mit dem etwas kryptischen Eingeständnis begründete, dass die bei der FED gelagerten Goldbarren nicht mehr „den Standards des internationalen Goldmarktes“ entsprächen und daher zuerst eingeschmolzen und neu gegossen werden müssten.

Nun rückt die Bundesregierung überraschend von ihrem Vorhaben ab. Laut „Bloomberg“auch deshalb, weil viele Bankhäuser auch mit Goldschätzen handelten, die noch gar nicht gefördert sind, also mit Gold-Wertpapieren, die einen angeblichen Goldbesitz verheißen. Der Bundesregierung reicht diese „Sicherheit“ laut „Bloomberg“. Experten fragen sich jetzt, ob Deutschland womöglich ebenfalls nur noch „Papiergold“ besitzt, das natürlich nicht „den Standards des internationalen Goldmarktes“ entspricht.

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