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High Society von Tel Aviv parkte Riesensummen bei der HSBC

„Swiss Leaks“ werfen Schlaglicht auf israelische Milliardäre

Mittwoch, 18 Februar 2015 21:36 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
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Tel Aviv - Die „Swiss Leaks“-Dateien haben die britische Großbank HSBC wegen des Verdachts auf großangelegte Schwarzgeldwäsche gehörig in Erklärungsnot gebracht. DERFFLINGER berichtete darüber (www.derfflinger.de/finanzen/mafia-gelder-bei-britischer-gro%C3%9Fbank-hsbc.html). Nun hat die Bank mit ganzseitigen Anzeigen in britischen Zeitungen um Verzeihung gebeten. „Wir müssen zeigen, dass wir verstehen, dass die Gesellschaften, denen wir dienen, mehr von uns erwarten. Wir bitten daher aufrichtig um Entschuldigung“, hieß es in den Inseraten, die letzten Sonntag unter anderem in der „Sunday Times“ und dem „Sunday Telegraph“ erschienen sind.

Ein Umstand, der in diesem Zusammenhang kaum thematisiert wird, ist, dass der Skandal auch israelische Steuerfahnder aufgeschreckt hat. Laut „Swiss Leaks“ sollen 20.000 Israelis Konten bei der HSBC in Genf haben. Der Direktor der israelischen Steuerbehörde, Moshe Asher, klang ein wenig hilflos, als er dazu unlängst erklärte: „Der monetäre Umfang, der dort verwaltet wird, beläuft sich unseren Einschätzungen nach auf zig Milliarden Dollar. Das ist enorm, und wir bemühen uns um einen Zugriff darauf."

Der israelische Journalist Uri Blau, Mitarbeiter der Tageszeitung „Ha’aretz“, der an den Recherchen des internationalen Rechercheteams beteiligt war, die die „Swiss Leaks“-Daten auswerteten, deckte jetzt auf, dass der israelische Investor Beny Steinmetz – der reichste Mann Israels, dem unter anderem auch 15 Karstadt-Warenhausimmobilien in verschiedenen Städten gehören und der bis vor wenigen Wochen gemeinsam mit Eigentümer René Benko noch Mitgesellschafter von Karstadt Premium und Karstadt Sports war – von 1998 bis 2007 mit einem seiner Brüder Einlagen von mehr als 100 Millionen Dollar bei der Genfer HSBC geparkt hatte. Momentan streitet sich der Diamantenmilliardär mit den israelischen Behörden über seine Steuererklärungen.

Außerdem fand der Blau heraus: „Alle möglichen High-Society-Ladies, die wir aus den Wirtschaftsseiten der israelischen Zeitungen kennen, tauchen dort plötzlich als Hausfrauen auf. Oder die Söhne dieser Familien sind als Studenten eingetragen.“ Die Liste lese sich wie ein „Who is Who“ der israelischen Wirtschaft. Im Fall von Doron Ofer, Erbe des milliardenschweren Schiffsbau- und Immobilienunternehmers Yuli Ofer (Ofer Brothers Group) sei sogar alles versucht worden, um die direkte Verbindung zu einem Konto bei der HSBC (65 Millionen Dollar) zu vermeiden. „Nicht kontaktieren“ stehe in den Unterlagen zu dem Kunden, der fortan nur noch mit dem Kürzel „DO“ benannt worden sei, so Blau.

Jeder zehnte Fall von Israelis mit Schweizer HSBC-Konten soll nach Medienberichten die Branche des Diamantenhandels betreffen. Der Vizepräsident der Diamantenbörse in Tel Aviv, Yaako Katan, erklärte dazu: „Es gab einen Vorteil in der Vergangenheit. Kunden, die kein privates Konto in Israel haben, konnten über ein Auslandskonto zahlen. Und für uns war es leicht, die Konten zu bekommen. Sonst hätten wir diese Kunden verloren. Sie wären nach Dubai oder Hongkong gegangen.“

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