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"Back to the roots“

Alan Greenspan empfiehlt Gold

Montag, 15 Dezember 2014 20:01 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Alan Greenspan empfiehlt Gold Foto: International Monetary Fund Photograph/Stephen Jaffe

Magdeburg - In einer Rede vor dem einflussreichen Council on Foreign Relations (CFR) in New York hat der langjährige Präsident der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Alan Greenspan, Gold als Anlageform empfohlen, da nur das Edelmetall die Vermögen der Bürger vor dem Zugriff des Staates schützen könne. „Gold ist eine Währung. Es ist gewiss noch immer eine erstklassige Währung. Keine Fiatwährung, einschließlich des Dollars, kann es mit ihr aufnehmen“, so der ehemalige Präsident der Fed. Als „Fiatwährungen“ oder „fiat money“ bezeichnen Kritiker des heutigen Geldsystems ungedeckte Papierwährungen, deren Menge sich durch die Notenbankpressen beliebig vermehren lässt.

Greenspan warnte in seiner CFR-Rede davor, nur nach den aktuellen Kursen zu schielen. Gold habe einerseits einen Rohstoffpreis, der, ähnlich wie der von Kupfer, Turbulenzen unterliege und in wirtschaftlich schlechten Zeiten sinken könne, andererseits liege dem edlen Metall aber auch ein intrinsischer, von Kursschwankungen unabhängiger monetärer Wert zugrunde. Gold diene als Absicherung, da Zweifel an der Werthaltigkeit der heutigen Währungen bestehen würden. Dies sei schließlich auch der Grund, warum Notenbanken sich Goldreserven zulegen würden, die keinerlei Zinsen abwerfen.

Greenspans Gold-Plädoyer mag manchem wie eine späte Einsicht vorkommen, tatsächlich ist es jedoch ein „back tot he roots“. Bereits 1966 veröffentlichte er in der Zeitschrift „The Objectivist“ von Ayn Rand einen Aufsatz mit dem Titel „Gold und wirtschaftliche Freiheit“, in dem er feststellte: „Eine geradezu hysterische Feindschaft gegen den Goldstandard verbindet Staatsinterventionisten aller Art.“ Lüfte man den Schleier akademischer Phrasendrescherei, erkenne man, „dass der Wohlfahrtsstaat nichts weiter als ein Mechanismus ist, mit dem der Staat das Vermögen der produktiven Mitglieder einer Gesellschaft konfisziert, um damit zahlreiche Wohlfahrtsprojekte zu finanzieren“.

Ein großer Teil der Vermögenseinziehung erfolge durch Steuern, doch da die „Wohlfahrtsbürokraten“ erkannt hätten, dass eine zu hohe Steuerlast ihren Machterhalt gefährdet, sei die Staatsverschuldung als Alternative erkannt worden. Der Vorteil des Goldstandards, so Greenspan damals weiter, liege darin, „dass eine Menge an Kredit, den eine Wirtschaft verkraften kann, von den realen Sachwerten der Wirtschaft begrenzt wird, weil jeder Kredit letztlich ein Anspruch auf einen realen Sachwert ist.“

Schließlich warnte er: „Ohne Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr.“ Und schließlich folgert er: „Staatsverschuldung ist schlicht und ergreifend ein Mechanismus für die ‚versteckte‘ Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es schützt Eigentumsrechte.“

Nur ein Jahr nach Veröffentlichung dieses Beitrags unterstützte Greenspan Richard Nixon im Wahlkampf, der als US-Präsident 1971 die Bindung des Dollar an Gold aufhob. Die Staatsverschuldung, vor der er einst warnte, erreichte während seiner Zeit als Fed-Chef neue Rekordhöhen. Um die wachsenden Ausgaben zu finanzieren, ließ Greenspan die Notenpresse auf Hochtouren laufen. Ein besseres Beispiel dafür, dass Macht korrumpieren und einen seine Grundsätze vergessen lassen kann, gibt es kaum.

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