www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Gründungskapital aus dem Nahen und Mittleren Osten als Alternative zum Bankkredit?

Aras Group: 2019 mit eigenen Bauprojekten in den Vereinigten Arabischen Emiraten durchstarten

Mittwoch, 13 März 2019 21:30 geschrieben von 

Dubai – Zuletzt war es um die in Dubai ansässige Aras Group DWC LLC ruhiger geworden. Die global vernetzte Firmengruppe ist in den Sparten Investment, Beteiligungen, Immobilien, Warenhandel, Unternehmensberatung und Logistik tätig und stützt sich dabei auf ihre Tochtergesellschaften Aras Investment and Participation Ltd., Aras Logistic and Distribution Ltd., Aras Trading and Services Ltd., Aras Consulting and Advisory Ltd. und Aras Properties Ltd. Im letzten Jahr beschrieb man das eigene Geschäftsmodell mit diesen Worten: „Die Kunden profitieren von einem hohen Maß an Flexibilität, Vernetzung sowie interkultureller Kommunikation. Einfache Lösungsansätze führen dabei zur gewünschten individuellen Finanzierung, die nicht selten aus Millionenkrediten im Bereich zwischen zehn und mehreren Hundert Millionen Euro besteht. Die Aras Group beteiligt sich an Gesellschaften, investiert in Großprojekte und kann inzwischen sogar hierzulande BaFin-konforme Nachrangdarlehensverträge anbieten.“

Nach Medienberichten hat der Unternehmensverbund bis Herbst 2018 Investorengelder in Höhe von 816,5 Millionen US-Dollar für fast 100 Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) vermittelt. Investiert wurde in Immobilien, in den Erneuerbare-Energien-Sektor, in das Gastgewerbe, in Raffinerien, in die Schiffsbranche sowie in Start-ups. Für die Förderung europäischer und insbesondere deutscher Start-ups hat sich der arabische Finanzdienstleister schon immer interessiert. Weil es Unternehmensgründer selbst mit innovativen und erfolgsträchtigen Ideen immer schwerer haben, klassische Bankkredite zu bekommen, hat sich die Aras Group auf die Bereitstellung solch dringend benötigten Risikokapitals spezialisiert. Als Risikokapital wird außerbörsliches Beteiligungskapital in Form von vollhaftendem Eigenkapital oder Mezzanine-Kapital bezeichnet, das eine Beteiligungsgesellschaft risikofreudigen Unternehmungen zur Verfügung stellt. Die Risikokapital-Vergabe der Aras Group umfasste im vergangenen Jahr Beträge in zwei- und dreistelliger Millionenhöhe.

Eine Schlüsselrolle bei der Kapitalbeschaffung für hoffnungsvolle Jungunternehmen spielt Frank Kahn. Der deutsche Key-Account-Manager der Dubaier Firmengruppe gilt den einen als erfolgreicher Darlehensvermittler zwischen Orient und Okzident, den anderen als halbseidener „Hexer von Dubai“, was wohl an eine Ganovengeschichte des Autors Edgar Wallace erinnern soll. Sachlich müsste man wohl formulieren, dass sich Kahn mit festem Blick für Angebot und Nachfrage der Weitergabe von arabischem Risikokapital verschrieben hat. Für wie viele deutsche Start-ups er schon das benötigte Gründungskapital organisiert hat, lässt sich nur schätzen. Die Kapitalempfänger wollen über die Starthilfe aus dem Nahen und Mittleren Osten nicht gerne reden. Aber warum nicht, wenn die arabischen Kreditgeber hinter der Aras Group doch die Alternative zur leidigen Bankenfinanzierung sind? Frank Kahn warb im letzten Jahr übrigens auch kräftig um Anlegergelder für das „Warsan Village“ und das „Pulse-Projekt“ in Dubai. Die Kapitalflüsse gehen also in verschiedene Richtungen. Im Mittelpunkt der beiden Immobilieninvestments steht der Bau hochmoderner Apartment-Anlagen mit einem neuartigen Lifestyle-Konzept.

In den letzten Monaten hörte man etwas weniger von der Aras Group DWC LLC. Diese Zeit hat der Projektfinanzierer offenbar genutzt, um das eigene Unternehmensprofil zu schärfen und sich auf gewerbliche Finanzierungen, Investmentangebote und Beratungsleistungen zu konzentrieren. Auf der neu gestalteten Internetseite ist nun zu lesen: „Wir haben Zugang zu verschiedenen Kreditgebern in verschiedenen Kreditmärkten, sodass wir die wettbewerbsfähigsten Lösungen für Ihr Geschäft finden können. Unser Netzwerk von Finanzierern umfasst Banken, Investmentfonds und mehrere Regierungsstellen. Wir haben Subventionen erhalten, um unterschiedliche Projekte zu finanzieren und Start-ups zu fördern. Im Laufe der Zeit haben wir in mehrere internationale Projekte investiert, die heute Erfolgsgeschichten sind.“

Mitte Januar meldete sich der Finanzdienstleister eindrucksvoll zurück und kündigte an, in diesem Jahr eigene Bauprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten in Angriff zu nehmen. Die Rede ist von Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich. Allein ein Hotel-Projekt, das als Altersresidenz für wohlhabende Senioren dienen soll, hat nach eigenen Angaben ein Gesamtvolumen von rund 200 Millionen US-Dollar. Außerdem plant Aras die Errichtung eines Wohnturmes aus etwa 100 Wohneinheiten, die interessierten Investoren zum Kauf angeboten werden sollen. Ein weiteres Großprojekt kreist um die Bereitstellung von nicht weniger als 1.300 Wohneinheiten. Die Realisierung stemmt die Aras Group mit ihren Partnern aus der Welt der Banken und Versicherungen sowie Privatinvestoren.

Wer schon unkte, der Aras Group könnte bei ihren vielen Unternehmens- und Projektfinanzierungen die Luft ausgegangen sein, sieht sich getäuscht. Die erwähnten Projekte zeigen vielmehr, dass die Unternehmensfamilie ihre Aktivitäten in den Vereinigten Arabischen Emiraten, speziell in Dubai, in diesem Jahr noch einmal deutlich ausweiten wird. Hinzu kommen weitere Eigenprojekte, die im direkten Zusammenhang mit der nächsten EXPO stehen. Sie wird vom 20. Oktober 2020 bis zum 10. April 2021 in Dubai und damit erstmals in einem arabischen Land stattfinden. Aus Sicht der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer befeuert die Weltausstellung das sowieso schon positive Investitionsklima: „Die EXPO 2020 dient als Ausgangspunkt für die Errichtung einer völlig neuen Stadt, Dubai South, die als Grundlage zur Entwicklung Dubais hin zur Wissensgesellschaft dient. Im Anschluss an die EXPO soll hier ein Ökosystem entstehen, das insbesondere die strategisch wichtigen Wirtschaftsbereiche Logistik, Tourismus, Bauwirtschaft und Bildung beherbergen wird.“

Hassan Najjar von der Aras-Pressestelle betont: „Grundsätzlich möchte die Aras Group mit der Finanzierung durch Investoren erreichen, dass eine Finanzierungsalternative zum klassischen Bankkredit genutzt werden kann. Darüber hinaus besteht ein weiteres Ziel darin, eine Verbindung zwischen Arabien und Europa zu schaffen, sodass auch immer mehr europäische Unternehmen die Finanzierungsmöglichkeiten nutzen können.“ Najjars Firmenkollege Ibrahim Saadi ergänzt, dass man zusammen mit seinen Partnern aus der Banken-, Fonds- und Versicherungsbranche an möglichst kundenindividuellen Finanzierungslösungen arbeite. Dabei trete die Aras Group direkt als Investor und Kapitalgeber auf. Der Kunde schließe seinen Vertrag mit Aras und nicht mit einem etwaigen Refinanzierer ab.

Letzte Änderung am Donnerstag, 14 März 2019 00:01
Artikel bewerten
(3 Stimmen)