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Erste Forderungen

Arbeitgeber wollen mit Flüchtlingen die Löhne drücken

Dienstag, 01 September 2015 21:50 geschrieben von  Susanne Hagel
Arndt G. Kirchhoff, Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen Arndt G. Kirchhoff, Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen Quelle: metall.nrw

Berlin - Nach den von Arbeitgeberseite vielfach geäußertem Wunsch, Asylanten schneller für den Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen, werden nun bereits erste Forderungen laut, die Löhne zu senken, um dem niedrigen Ausbildungsniveau der Asylanten und Migranten gerecht zu werden.

So forderte unlängst der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen eine Öffnung der Tarifverträge nach unten. „In unserer niedrigsten Tarifgruppe verdienen Ungelernte bereits mehr als 14,50 Euro die Stunde“, erklärte der Präsident des Arbeitgeberverbandes NRW, Arndt Kirchhoff. Hinzukämen Urlaubs- und Weihnachtsgeld. „Wenn wir hierzulande aber auch weiterhin einfache Arbeit anbieten wollen - auch für schwer Vermittelbare oder ganz aktuell für Flüchtlinge -, müssen wir das auch bezahlen können.“

Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Nachdem der Bevölkerung bei der Jagd nach Sympathie oder wenigstens Toleranz in Bezug auf die tausendfache Zuwanderung monatelang gebetsmühlenartig erklärt wurde, die allermeisten der Asylanten und auch der Migranten, die in unser Land kommen, seien gut ausgebildete, qualifizierte Fachkräfte, die wir angesichts schwindender Bevölkerungszahlen dringend benötigen, stellt Kirchhoff nun klar, sie könnten zunächst nur für geringqualifizierte Arbeit eingesetzt werden – dann aber bitte für weniger Lohn als bisher gezahlt wurde.

Macht diese Forderung Schule, wovon auszugehen ist, wird die Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylanten nichts anderes bewirken, als das Lohnniveau stark zu senken. Die sogenannten Fachkräfte bereichern dann nicht etwa unser Land, indem sie die Wirtschaft mit ihren Fähigkeiten stärken, sondern sie treten in Konkurrenz mit jenen, die wir hier bereits zu viel haben: Geringverdiener und Geringausgebildete.

Erst vor wenigen Tagen hat das Statistische Bundesamt bekannt gegeben, dass trotz guter Konjunktur und geringer Arbeitslosigkeit, die Gefahr für Geringqualifizierte in die Armut zu fallen, stark angestiegen ist. Vor den aktuellen Ereignissen mag man kaum an die Entwicklung denken, die eintritt, wenn die Konjunktur wieder abflaut.

Unterdessen erklärt auch die Bundesagentur für Arbeit, die Integration der Asylanten in den deutschen Arbeitsmarkt, gestalte sich schwieriger als gedacht. BA-Vorstand Raimund Becker erklärte, es werde nur in Einzelfällen möglich sein, Asylbewerber bereits nach drei Monaten einen Arbeitsplatz zu vermitteln, wie von der Politik vorgesehen. „In der Regel sprechen Flüchtlinge nach drei Monaten nicht genügend Deutsch, um einen Arbeitsplatz antreten zu können“, so Becker. „Es hakt auch vielfach an den mitgebrachten Qualifikationen, die nicht passen, um nachhaltig im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“

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