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Warenhäuser unter Druck

Auch Investor René Benko setzt Covid19 bei Karstadt Kaufhof schwer zu

Montag, 06 April 2020 20:14 geschrieben von 
Investor René Benko gilt als Lichtgestalt unter europäischen Immobilieninvestoren Investor René Benko gilt als Lichtgestalt unter europäischen Immobilieninvestoren

Innsbruck – Die Corona-Pandemie und die staatlichen Gegenmaßnahmen setzen der Wirtschaft in den betroffenen Ländern massiv zu. In Österreich waren Ende März 2020 so viele Menschen arbeitslos gemeldet wie noch nie seit 1946. Nach Angaben des Arbeitsmarktservice (AMS) in Wien sind infolge der Coronakrise mehr als 504.000 Menschen ohne Arbeitsplatz. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahresmonat einem Anstieg um 52,5 Prozent. Dazu müssen noch mehr als 58.000 Menschen gezählt werden, die beim AMS gerade eine Umschulung machen. Allein in den zwei Wochen vom 15. bis zum 31. März stieg die Zahl der österreichischen Arbeitslosen um fast 200.000. Die Quote stieg gegenüber März 2019 um 4,7 Prozent auf geschätzt 12,2 Prozent. Mit Nervosität werden die Arbeitslosenzahlen für April erwartet, weil sich erst dann das ganze Ausmaß der Corona-Katastrophe zeigen wird. Besonders betroffen sind erwartungsgemäß das Beherbergungsgewerbe, die Gastronomie, die Bauwirtschaft sowie das Verkehrs- und Lagerwesen.

Auch für Deutschland wird mit dem Schlimmsten gerechnet. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte: „Die Kosten werden voraussichtlich alles übersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist. Je nach Szenario schrumpft die Wirtschaft um 7,2 bis 20,6 Prozentpunkte. Das entspricht Kosten von 255 bis 729 Milliarden Euro.“ Fuest sieht für den deutschen Arbeitsmarkt schwarz und erwartet Zustände, die den Höhepunkt der Finanzkrise 2008/2009 in den Schatten stellen. Bis zu 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtige Stellen könnten verloren gehen und mehr als sechs Millionen Menschen von Kurzarbeit betroffen sein. Laut dem Ifo-Chef werden erhebliche Produktionsausfälle Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit „in die Höhe schnellen lassen und den Staatshaushalt erheblich belasten“.

Ins Heer der neuen Arbeitslosen könnten sich bald die knapp 32.000 Mitabeiter der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) einreihen, die zuletzt einen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Der Konzern, der sich im Eigentum des österreichischen Milliardärs René Benko (Jahrgang 1977) befindet, war schon vor dem Virus-Ausbruch wirtschaftlich angeschlagen und hatte sich deshalb umfassende Restrukturierungsmaßnahmen verordnet. Hierfür hatte Benkos Signa Holding, die im Sommer letzten Jahres alleinige Eigentümerin der Warenhausgruppe geworden war, GKK schon mehrfach erhebliche finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Corona könnte dem Unternehmen nun den Rest geben. Unter der Überschrift „Karstadt und Kaufhof im Überlebenskampf“ berichtet die Online-Ausgabe des „Manager Magazins“ von der existenzbedrohenden Krise des Konzerns. Ende März hielten die GKK-Mitarbeiter einen Brief von CEO Stephan Fanderl in den Händen, in dem der 56-Jährige die Lage ungeschönt darstellte. „Angesichts des Coronavirus und der temporären Schließungen unserer Filialen“ stehe das Unternehmen „vor einer existenziellen Bedrohung“. Deshalb habe der Konzern bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit beantragt und werde in diesem Monat 15 Prozent der Mitarbeitergehälter einbehalten, so Fanderl. Aber selbst diese Schritte würden bei Weitem nicht ausreichen, um die traditionsreichen Warenhäuser zu retten. Das „Manager Magazin“ schrieb am 29. März: „Längst arbeitet ein Stab aus Beratern, Juristen und dem ehemaligen Schlecker-Insolvenzverwalter und Unternehmensrestrukturierer Arndt Geiwitz an einer größeren Lösung: Galeria Karstadt Kaufhof soll, um Corona zu überleben, einen hohen dreistelligen Millionenbetrag aufnehmen.“ Im Mittelpunkt des Rettungsplans stehe eine millionenschwere Staatsgarantie.

Anfang April wurde dann bekannt, dass der neue Generalbevollmächtigte Geiwitz bei der Rettung der letzten großen deutschen Warenhauskette vorerst doch ohne staatliche Hilfskredite auskommen will. „Wir werden zunächst keine Mittel aus den nun mithilfe der KfW-Bank bereitgestellten Töpfen in Anspruch nehmen“, betonte der 50-Jährige. Hintergrund der Aussage dürfte der Umstand sein, dass Konzerneigentümer René Benko jüngst noch einmal 140 Millionen Euro an sein Sorgenkind überwiesen hat. Wie lange diese Kapitalspritze reiche, hänge davon ab, wann und in welchem Umfang die Kaufhäuser wieder öffnen dürften, sagte Geiwitz mit Blick auf die Corona-bedingten Geschäftsschließungen. Weiterlaufen darf nur der Verkauf von Gütern des täglichen Bedarfs. Mitte März hatte Galeria Karstadt Kaufhof alle Geschäfte geschlossen, die nicht solche Güter des Alltagsbedarfs verkaufen. Geöffnet blieben nur Lebensmittelläden und Drogerien. Außerdem ging das Onlinegeschäft weiter. Nach Unternehmensangaben verlor man zuletzt wöchentlich 80 Millionen Euro Umsatz. Zur Kostenreduzierung wurde nicht nur für den Großteil der Belegschaft Kurzarbeit beantragt, sondern für den Monat April auch die Einstellung von Mietzahlungen für die Gewerberäumlichkeiten angekündigt.

Zur weiteren Absicherung hat sich der Konzern in ein Schutzschirmverfahren geflüchtet. Es bewahrt strauchelnde Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger und sorgt dafür, dass die Betriebe nicht gleich Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung wird so in die Lage versetzt, das Unternehmen weiter zu lenken und eigenständig zu sanieren. Im Schutzschirmverfahren von GKK soll geballte Beraterkompetenz den Niedergang stoppen und die Weichen wieder auf Zukunftsfähigkeit stellen. Dr. Frank Kebekus von Kebekus et Zimmermann ist nun vorläufiger Sachwalter, und McDermott Will & Emery, Seitz und SGP Schneider Geiwitz beraten das Unternehmen. Arndt Geiwitz verfügt über große Erfahrung im Umgang mit Handelsinsolvenzen. Der Konkurs der Drogeriekette Schlecker war eines seiner prominentesten Projekte. Für GKK fungiert er als Generalbevollmächtigter und unterstützt in dieser Funktion die Geschäftsführung. McDermott Will & Emery gehört zum angestammten Beraterkreis und arbeitet schon seit Jahren mit Signa zusammen. Seitz konnte ein früheres Karstadt-Mandat in den fusionierten Konzern transferieren.

GKK-Eigentümer René Benko ist eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten Österreichs. Die von ihm 1999 gegründete Signa Gruppe „gehört mit einem Immobilienvermögen von laut eigenen Angaben mehr als 14 Milliarden Euro zu einem der größten Immobilieninvestoren in Europa“, schreibt die deutsche Tageszeitung „Die Welt“. Benko, der ein sehr freundschaftliches, interessendienliches Verhältnis zu Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) pflegt, übernahm Ende 2018 mit Signa 24,22 Prozent am „Kurier“ und 24,5 Prozent an der „Krone“. Mit seiner Beteiligung an zwei der größten Tageszeitungen Österreichs trägt er seinen Teil zu einer Kurz-freundlichen Berichterstattung bei.

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