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Ebooks verändern den Buchmarkt

Bücherstreit mit Amazon erreicht Deutschland

Freitag, 15 August 2014 00:34 geschrieben von  Susanne Hagel
Logo von Amazon Logo von Amazon Quelle: pixabay.com

Magdeburg - Nachdem bereits in den USA knapp 1000 Autoren in einem offenen Brief den Onlinebuchhändler Amazon unter Druck setzten, protestieren nun auch deutsche Autoren öffentlich gegen die Geschäftsmethoden des Internetriesen.

Bisher fasst der deutsche Protestbrief rund 100 Erstunterzeichner, darunter Ingrid Noll, Nele Neuhaus, Eva Rossmann, „Tatort“-Autor Fred Breinersdorfer, die österreichische Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und prominente Autoren wie Günter Wallraff. Auch ihr Brief richtet sich wie der amerikanische Vorläufer direkt an Amazon-Chef Jeff Bezos. Darin heißt es unter anderem: "Amazon manipuliert Empfehlungslisten. Amazon nimmt Autoren und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen.“

Amazon wird vorgeworfen, Verlage in den USA und Europa durch verzögerte Lieferungen, Empfehlungen anderer Bücher und ähnliche Taktiken finanziell unter Druck zu setzen. Er spiele seine Marktmacht gezielt bei Verhandlungen aus, um bessere Konditionen zulasten der Verlage zu erhalten. Auf dem US-Markt entzündete sich der Streit an der französischen Verlagsgruppe Hachette, die nicht bereit ist, zu Amazons Konditionen Ebooks zu liefern. Als Konsequenz auf die zähen Verhandlungen macht der Onlinehändler Druck: Kunden müssen wochenlange Lieferfristen hinnehmen, obwohl die Titel auf Lager sind, Vorbestellungen sind für Hachettebücher nicht mehr möglich, einige Bücher verschwanden gleich ganz aus dem Sortiment. Bei anderen Titeln streicht Amazon den Kunden die Nachlässe und empfiehlt stattdessen ähnliche Bücher anderer Verleger als “günstigere Angebote”.

Dem Onlinehändler gehe es wohl um die Gewährung höherer Rabatte durch die Verlage für von ihm vertriebene E-Books. Bisher liegen sie bei 30 Prozent – Amazon strebt aber 40 bis 50 Prozent an. Auch Time Warner und Walt Disney erfahren gerade diese spezielle Behandlung durch Amazon um ein Einlenken zu erreichen und somit mehr Geld vom Verkaufspreis an Amazon abzutreten.

Hierzulande traf es in ähnlicher Weise den schwedischen Verlagskonzern Bonnier: Amazon bietet auch die dort neu erschienenen Bücher nur mit langen Lieferfristen an, obwohl sie eigentlich sofort lieferbar sind. Zum Verlag gehören die deutschen Verlage Carlsen, Piper, Berlin und Ullstein.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wirft Amazon deshalb “Erpressung der Verlage” vor. Tobias Kiwitt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes junger Autoren und Autorinnen, äußerte sich ähnlich: „Wir Autoren sind der Meinung, dass kein Buchhändler den Verkauf von Büchern behindern oder gar Kunden vom Kauf von Büchern abhalten darf“. Amazon versuche noch rigider seine Geschäftsinteressen gegen die Verlage und Autoren durchzusetzen.

„Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören“, sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN Zentrums Deutschland.

Amazon verweist hingegen darauf, dass Literatur billiger werden müsse, schließlich stünde sie mit anderen Medien in Konkurrenz. Das Unternehmen rechne sogar damit, dass bei einem niedrigeren E-Book-Preis von 9,99 Dollar viel mehr Bücher verkauft würden als etwa bei 14,99 Dollar, so dass am Ende Schriftsteller und Verlage sogar mehr verdienen würden.

Während hierzulande Ebooks noch ein Nischendasein führen, werden diese in den USA bereits wesentlich öfter verkauft als Taschenbücher. Der physischen Buchhandel verschwindet zunehmend aus dem Straßenbild der Städte. Amazon dominiert den US-amerikanischen Ebookmarkt weitgehend.

Illegal sei das Vorgehen des Onlinehändlers nicht. Da Amazon keine Monopolstellung habe -Kritiker bestreiten das und fordern eine Prüfung- und kein Einzelhändler verpflichtet sei, alle Produkte eines Anbieters zu führen und gut lieferbar zu halten, gleiche diese harte Verhandlungsweise der in anderen Branchen, wie etwa zwischen Walmart und seinen Zulieferern.

Der Protest der Autoren sowohl hier als auch in den USA verschleiert aber auch eine Tatsache nicht ganz: dass "das Monster" schlussendlich jahrelang von Autoren und deren Verlagen gefüttert worden ist - trotz der seit Jahren bestehenden Knebelverträge. So erscheint der mediale Aufschrei der Autoren auch etwas naiv. Denn sonderlich überraschend ist Amazons Vorgehen heutzutage nicht. Dass dennoch so viele freiheitlich und verantwortungsbewusst denkende Buchschreiber, Buchproduzenten und Buchleser bei Amazon vertreiben und kaufen, ändert sich nun vielleicht.

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