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Wackeln die Großbanken?

Bankenkrise: ein gefährliches Come-Back?

Dienstag, 15 Juli 2014 09:37 geschrieben von  Gerhard Keil
Bankenkrise: ein gefährliches Come-Back? Quelle: EZB

Frankfurt am Main - Rettungsschirm raus – Rettungsschirm rein? Erst im Mai hat Portugal den Rettungsschirm verlassen und schon ziehen finanzpolitische Gewitterwolken über Portugals größter Bank auf. Nachdem die Kurse der Banco Espirito Santo empfindlich einsackten, setzte die Börsenaufsicht in Lissabon das Institut vom Handel bei einem Kurs von 0,50 Euro aus. Die Börsenaufsicht Großbritanniens verbot Leerverkäufe von BES-Titeln, um das Papier durch Wetten auf weiteren Kursverfall nicht noch stärker unter Druck geraten zu lassen. Ursache der neu aufgeflammten Schieflage soll eine Überschuldung des Großaktionärs ESFG sein, der den Kapitaldienst für Kredite von über sieben Milliarden Euro nicht mehr vollständig zu leisten imstande sei. Gegen die in Luxemburg ansässige Muttergesellschaft Espirito Santo International laufen bereits seit längerem Untersuchungen auf Unregelmäßigkeiten und auch bei der ebenfalls der Finanzgruppe angehörigen Banco Espirito Santo Angola sollen jüngst 5,7 Milliarden verschwunden sein.

Als Folge stiegen unmittelbar die Zinssätze für die portugiesischen Anleihen an und erschweren eine Finanzierung über die Kapitalmärkte. Der neuerliche Druck auf auf die Staatsanleihen war aber nicht nur in Portugal, sondern ebenso bereits in Spanien und Italien spürbar. Griechenland scheiterte aktuell damit, sich über die Ausgabe von Staatsanleihen das benötigte Geld zu verschaffen. Die Wechselwirkung zwischen dem Bankensystem und dem Staatsanleihenmarkt ist offensichtlich unverändert im Krisenmodus. Seitens einiger Fachleute war - entgegen den Beruhigungsmantras von Notenbanken, Politik und EZB – zu vernehmen, daß dieser Fall durchaus Auswirkung für das gesamte europäische Bankensystem nach sich ziehen könnte. Angeblich wurde der Espirito Santo aktuell von der japanischen Nomura-Bank ein 100-Millionen-Kredit fällig gestellt. Es werden nicht wenige interessierte Blicke darauf gerichtet werden, wie die Bank damit umgehen wird.

Auch der Großaktionär der Bank ließ auf eigenen Wunsch hin die Notierungen am Börsenparkett aussetzen. Innerhalb der Espirito-Santo-Holding ist ein Branchenmix aus dem Immobilien-, über den Energie- und Landwirtschafts-, bis hin zum Gesundheits- und Tourismusbereich versammelt, wodurch eine gewisse Ansteckungsgefahr nicht völlig von der Hand zu weisen ist. Nicht wenige Experten warnen vor der Gefahr, daß viele Anleger bei Finanzeinrichtungen aus den Instituten flüchten könnten und dadurch zu einer Ausweitung der Krise führen. Die Banco Espirito Santo wird unter diejenigen Großbanken gezählt, die sich ab November unter EZB-Beaufsichtigung einem sog. Stresstest ausgesetzt sehen. Allerdings war von ifo-Chef Prof. Hans Werner Sinn bereits die Kritik geäußert worden, daß es sich dabei um einen Stresstest ohne Stress handle. - An ein Ende der Finanzkrise zu glauben, dürfte sich somit in der Tat als eine klassische Glaubensfrage erweisen, denn wissen kann man dies nicht.

Letzte Änderung am Dienstag, 15 Juli 2014 13:14
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