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Russisch-chinesische Energiepartnerschaft:

Baubeginn der Erdgas-Pipeline „Kraft Sibiriens“

Dienstag, 09 September 2014 07:46 geschrieben von  Johann W. Petersen -
Baubeginn der Erdgas-Pipeline „Kraft Sibiriens“ Quelle: pixabay.com

Magdeburg - Vor einer Woche erfolgte im Beisein von Russlands Präsident Wladimir Putin, Chinas Vizepremier Zhang Gaoli und Gazprom-Chef Alexej Miller im sibirischen Us Chatyn der erste Spatenstich des laut Putin derzeit „größten Bauprojekts der Welt“. Ab 2018 soll die russisch-chinesische Pipeline „Sila Sibiri“ („Kraft Sibiriens“) jährlich die gewaltige Menge von 38 Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases ins Reich der Mitte bringen. Die Baukosten für die rund 4.000 Kilometer lange Gasleitung werden auf mehr als 50 Milliarden Euro geschätzt.

Dem erst im Mai zwischen Moskau und Peking geschlossenen Vertrag waren zehn Jahre der Verhandlungen vorausgegangen. Auf chinesischer Seite soll der Bau im ersten Halbjahr 2015 beginnen. Die Lieferbedingungen, die Peking aushandeln konnte, sind optimal, da der vereinbarte Preis unter jenem liegt, den Großabnehmer Deutschland zuletzt im März für russisches Erdgas zahlte.

Das Mercator-Institut für China-Studien sah schon bei Vertragsabschluss im Frühjahr eine neue Ära der russisch-chinesischen Beziehungen heranbrechen. „Peking dürfte auch der große Gewinner zwischen Russland und dem Westen sein“, hieß es zudem in einer Stellungnahme der renommierten Forschungseinrichtung mit Sitz in Berlin-Mitte. Die Volksrepublik nutze ihre Möglichkeiten, um das Bündnis flexibel zu gestalten und sich, je nach eigenem Interesse, genügend Freiraum für eine „Schaukelpolitik zwischen Russland und Europa“ schaffen. Uwe Leuschner, Vorstand beim Wirtschaftsclub Russland, warnte zugleich, dass sich Russland mit dem historischen Abkommen ganz klar Asien zuwende, „mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft Westeuropas“, wie in einer Pressemitteilung des Verbandes zu lesen war.

Europa und damit auch Deutschland haben gegenüber der neuen russisch-chinesischen Energiepartnerschaft das Nachsehen. Für die Bundesrepublik, die 38 Prozent des importierten Erdgases aus Russland bezieht, brechen energiepolitisch, gerade vor dem Hintergrund des geplanten Atomausstieges bis 2022, schwierige Zeiten an.

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