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Wegen Spekulationen um seine Person

BER-Chef Mehdorn verkündet überraschend Rücktritt

Dienstag, 16 Dezember 2014 17:16 geschrieben von  Susanne Hagel
Mehdorn Hartmut Mehdorn Hartmut Quelle: wikimedia.org | Foto: Bigbug21 | CC-BY-SA-3.0

Berlin - Überraschend verkündete der derzeitige Chef des Großflughafenprojekts BER in Berlin, Hartmut Mehdorn, gestern seinen Rücktritt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wolle er das Amt noch ausüben bis spätestens Ende Juni kommenden Jahres, erklärte er.

Es habe zu viele Spekulationen um seine Person im Umfeld des Aufsichtsrates gegeben, die das vertretbare Maß überstiegen, führte Mehdorn als Begründung für seinen Rücktritt aus. Seit geraumer Zeit gab es Gerüchte darüber, dass die Gesellschafter des BER, also der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg, bereits einen Nachfolger für den bis März 2016 als Geschäftsführer eingesetzten Mehdorn suchten. Nachdem bekannt geworden war, dass sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) und der Aufsichtsrat des Bundes, Rainer Bomba (CDU) mit einem potenziellem Nachfolger treffen werden, scheint das Maß für Mehdorn voll zu sein, "Ich bedauere meinen Rücktritt persönlich sehr, da er weder meinem Pflichtbewusstsein noch meinen persönlichen Zielen entspricht", so der BER-Geschäftsführer. In Abwägung der Gesamtlage sei dieser Schritt für ihn notwendig geworden. Außerdem schließe sich für Mehdorn mit der Festlegung eines Eröffnungstermins im zweiten Halbjahr 2017 ein Kreis und die Baustelle, die er 2013 im chaotischen Zustand übernommen habe, sei nun geordnet, hieß es.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller (SPD) bedankte sich ebenso wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Ministerpräsident Brandenburgs, Dietmar Woidke (SPD) bei Mehdorn für dessen Engagement. "Mehdorn hat die schwierige Situation auf der Baustelle neu geordnet und dem Projekt BER eine klare Richtung gegeben", sagte Müller. "Die Entscheidung und die Bereitschaft bei Bedarf noch bis Ende Juni weiterzumachen ist respektabel." Nun müssten der Bund und das Land Brandenburg gemeinsam mit Berlin "zeitnah einen gemeinsamen Vorschlag" zur Neuordnung des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung machen. Ebenso vakant sei derzeit der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden, erklärte Müller. Zuletzt hatte es Streitigkeiten zwischen Mehdorn als Geschäftsführer des BER und Mitgliedern des Aufsichtsrates gegeben, unter anderem deshalb, weil Mehdorn für das Projekt extrem teure externe Berater einstellte, deren Honorar sich mittlerweile auf eine Höhe von 10 Millionen Euro summiert hatte. Auch kam es unter Mehdorn immer wieder zu weiteren Verzögerungen und Rückschlägen. Der Aufsichtsrat schlug deshalb vor, Mehdorns Arbeit von unabhängigen Dritten prüfen zu lassen. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke erklärte, zwar sei "der positive Beitrag von Mehdorn" unbestritten, er hätte sich jedoch "eine höhere Geschwindigkeit im Bau und weniger Schlagzeilen in den Medien gewünscht".

Als potenzielle Nachfolger werden derzeit vor allem zwei Männer gehandelt: Michael Garvens, derzeit Chef des Flughafens Köln/Bonn und Thomas Weyer, der Technische Geschäftsführer des Flughafens München. Weyer war bereits bis 2008, als man noch im Zeit- und Kostenplan lag, als Technischer Geschäftsführer am Ausbau des BER beteiligt. Mit Garvens sei bereits ein Spitzengespräch vereinbart worden.

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