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Internationale Finanzmärkte

Bericht des Weltwirtschaftsforums warnt vor ungelösten Krisenursachen

Dienstag, 19 Mai 2015 19:47 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
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Frankfurt am Main - Das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, kurz WEF), eine der bekanntesten Stiftungen, hauptsächlich durch seine alljährlichen Treffen in Davos, hat aktuell einen interessanten Report veröffentlicht, in dem die zahlreichen Autoren aus diversen Unternehmen und Organisationen die Politik auf verschiedene Risiken innerhalb der Finanzmärkte aufmerksam machen. In dem unter der federführenden Moderation des WEF erstellten Bericht stellen die Verfasser fest, daß die Finanzmarktprobleme trotz der QE-Politik der Zentralbanken keineswegs als gelöst anzusehen sind. Diesbezüglich zeigte sich die Privatunternehmer, NGOs, Gewerkschafter sowie auch Banker und Vertreter des öffentlichen Sektors umfassende Plattform erstaunlich einig. Gerade bezüglich der so häufig als systemrelevant dargestellten Bankenlandschaft dürfte das WEF-Papier in seiner Einschätzung als durchaus kompetent einzustufen sein, da auch die seitens der EZB mit der Prüfung aller wichtigen Banken beauftragte Unternehmensberatung Oliver Wyman als Co-Autor fungierte.

Der Verantwortliche der Bankenabteilung beim WEF Matthew Blake äußerte sich im Zusammenhang mit dem Papier unter anderem zu der Problematik, daß es vor allem kleineren und mittleren Unternehmen heutzutage sehr schwer falle, Kredite zu erhalten. Der Bericht läßt durchklingen, daß die Kapitalallokation in einem volkswirtschaftlich nutzbringenden Sinne zunehmend fraglicher wird und vielmehr auf Ungleichgewichte hindeutet. Weiter wird neben dem Problemkreis der Schuldenlast in dem Report im Speziellen noch der Immobilienmarkt als risikobehaftet erwähnt, der - so die Aussage im Bericht – klare Anzeichen einer Blasenbildung erkennen lasse. Und selbst, wenn noch so zutreffend, ist es dennoch um so überraschender, daß der Risikofaktor Schattenbanken Eingang in den Bericht fand, obwohl mit Larry Fink das Oberhaupt der wohl weltweit größten Schattenbank, Black Rock, zum Autorenkreis zählt. Dies läßt vielleicht den Schluß zu, daß die durch Abwanderung risikoreicher Geschäfte in den nach wie vor unregulierten Bereich der Schattenbanken erzeugten systemrelevanten Ansteckungsgefahren bezüglich dieser sich dort ansammelnden Klumpenrisiken selbst von Branchenangehörigen nicht mehr zu leugnen sind. Die wirtschaftliche Dominanz mancher dieser Finanzgiganten ist unzweifelhaft in der Lage, im Falle unternehmerischer Verwerfungen die Stabilität des Finanzsystems in globalem Ausmaß zu beeinträchtigen.

Noch interessanter und vor allem aber von größerer Relevanz als der WEF-Report selbst wird nun die Frage sein, in welcher Art die verantwortliche Politik diesen Bericht diskutiert bzw. welche Schlüsse und Handlungen daraus resultieren werden. - Business as usual wäre wohl unangemessen.

Link zum WEF-Report: http://www3.weforum.org/docs/WEF_The_Role_of_Financial_Services_in_Society_report_2015.pdf

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