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Teil der Goldreserven kehrte heim

Bundesbank holte 2014 120 Tonnen Gold zurück

Dienstag, 20 Januar 2015 06:35 geschrieben von 

Frankfurt am Main - Die deutsche Bundesbank hat im vergangenen Jahr ihre Goldbestände in New York und Frankreich weiter verkleinert. Insgesamt seien 120 Tonnen der deutschen Goldreserven zurück geholt worden.

Bis zum Jahr 2020 will die Bundesbank mehr als die Hälfte der aktuell 3.384 Tonnen Gold, die die Bundesrepublik besitzt, wieder nach Deutschland holen. „Wir liegen sehr gut im Zeitplan“, erklärte der Bundesbankvorstandschef Carl-Ludwig Thiele. Demnach werde das Anfang 2013 erstellte Goldlagerkonzept reibungslos umgesetzt und die Rückführung wie bereits im vergangenen Jahr weiter intensiviert.

Insgesamt seien im Jahr 2014 35 Tonnen aus Pariser Beständen und 85 Tonnen aus den Vereinigten Staaten nach Frankfurt am Main überführt worden. Peu á peu sollen künftig dreihundert Tonnen der deutschen Reserven, die in New York lagern, und 374 Tonnen aus Paris heimkehren. Nach 2020 verblieben dann noch 1.200 Tonnen in den USA und weitere 445 Tonnen in London, so Thiele. Diese könnten dann im Krisenfall beliehen oder in eine andere Währung getauscht werden.

Die zurückkehrenden Goldbarren werden zudem auf den derzeit marktüblichen Standard „London Good Delivery“ umgeschmolzen, weil die aus den 50er Jahren stammenden Barren diesem großteils noch nicht entsprechen. Sie erhalten so eine Nummer, ein genormtes Gewicht, sowie exakte Maße und den Nachweis eines sehr hohen Reinheitsgehaltes, um künftig universell gehandelt werden zu können. „Bei dieser Art von Stichprobenkontrolle haben wir auch auf die Expertise der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zurückgegriffen. Wie erwartet gab es keine Benstandungen“, so Thiele.

Vor allem in den 50er und 60er Jahren erwirtschaftete Deutschland durch seinen Export viele Dollar, die bei der US-Zentralbank in Gold eingetauscht worden waren. Die deutsche Bundesbank besitzt heute den zweitgrößten Goldschatz der Welt mit einem Barrenwert von 105 Milliarden Euro (Stand November 2014).

Im Jahr 2012 war in Deutschland eine öffentliche Debatte um die Sicherheit des im Ausland lagernden Goldes entbrannt, welches vor allem in den USA in den Tresoren der US-Notenbank Fed lagert, weil bekannt geworden war, dass keinerlei Kontrolle von deutscher Seite über die Reserven im Ausland erfolge. Der Bundesrechnungshof forderte daraufhin regelmäßige Stichproben der Auslandsbestände, die Bundesbank lehnte Inventuren vor Ort ab, um keine Zwietracht zwischen den Notenbanken zu säen. Zahlreiche Politiker schlossen sich den Forderungen damals an. „Ich bin nicht zufrieden, dass das Gold physisch in den USA lagert“, meinte etwa Peter Gauweiler (CSU). Die CDU-Politiker Philipp Mißfelder, damals Transatlantik-Beauftragter der Bundesregierung, und Marco Wanderwitz, die die deutschen Goldvorräte in Paris und London daraufhin überprüfen wollten, erhielten eine Absage von beiden Notenbanken, weil es keine „Sonderbereiche für Besucher“ gebe. Eine Bürgerinitiative unter dem Namen „Holt unser Gold heim!“, unter deren Erstunterzeichnern unter anderem Frank Schäffler (FDP) und der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel (AfD) waren, sammelte Stimmen um die Rückführung voranzutreiben. 2013 wurde schließlich das Goldlagerkonzept verabschiedet, welches eine Rückholung für etwa die Hälfte der Reserven nach Deutschland festlegte.

Letzte Änderung am Dienstag, 20 Januar 2015 06:42
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