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Ela-Kredite sehr fragwürdig

Bundesbankpräsident Jens Weidmann für Golddeckung der Währung

Freitag, 26 Juni 2015 20:14 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Dr. Jens Weidmann Dr. Jens Weidmann Quelle: Deutsche Bundesbank

 

Frankfurt am Main - Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat die permanenten Ela-Kredite der EZB für angeschlagene griechische Banken scharf kritisiert und vor einer indirekten monetären Staatsfinanzierung Griechenlands durch die Euro-Notenbanken gewarnt. „Allen Parteien in den gegenwärtigen Verhandlungen sollte klar sein, dass das Eurosystem keine Brückenfinanzierung für Griechenland bereitstellen darf, auch nicht in Vorwegnahme späterer Auszahlungen von Hilfsgeldern“, so der Bundesbank-Chef.

Man müsse, so Weidmann die griechischen Banken davon abhalten, weiterhin Ela-Geld für den Kauf von kurzlaufenden griechischen Staatsanleihen auszugeben, die am Markt nicht verkäuflich sind. Dadurch verschlechterten die Banken ihre Liquiditätssituation weiter. „Wenn Banken ohne Marktzugang Schuldtitel ihres Staates kaufen, der ebenfalls vom Markt abgeschnitten ist, und wenn sie dabei auf Ela zurückgreifen, dann wirft das ernste Bedenken hinsichtlich einer monetären Staatsfinanzierung auf“, sagte der Präsident der Bundesbank, der zugleich daran erinnerte, das monetäre Staatsfinanzierung durch die Notenpresse der Zentralbanken nach dem EU-Vertrag verboten ist. Daran zu erinnern, habe nichts mit „dogmatischer deutscher Sturköpfigkeit“ zu tun.

Tatsächlich ist Weidmann ein Leuchtturm der Vernunft in einem Meer finanzpolitischen Wahnsinns. Dies bewies er bereits im Jahr 2012 mit einer Rede bei einem Kolloquium des Instituts für bankhistorische Forschung zum Thema „Papiergeld – Staatsfinanzierung – Inflation“, wo er sich als klarer Befürworter einer Golddeckung der Währung zu erkennen gab.

„Goethe hat bereits vor 180 Jahren das Kernproblem der heutigen, auf Papiergeld fußenden Geldpolitik treffend analysiert“, so Weidmann, der in seinem Vortrag an die Geldschöpfungsszene im ersten Akt des „Faust II“ erinnerte. Mephisto umgarnt darin den von Geldnöten geplagten Kaiser: „Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.“ Der Kaiser stellt daraufhin fest: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; es fehlt an Geld, nun gut, so schaff‘ es denn.“ Und Mephisto antwortet: „Ich schaffe, was Ihr wollt, und schaffe mehr.“ Er lässt sich vom Kaiser eine Urkunde unterschreiben und vervielfältigt sie über Nacht als Papiergeld. Nicht mehr Gold oder Tauschwaren sind nun das Zahlungsmittel, sondern nur noch ein Stück Papier, das beliebig zu vermehren ist. Mephisto sagt: „Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt, ist so bequem, man weiß doch, was man hat; man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen, kann sich nach Lust in Lieb‘ und Wein berauschen.“

In Goethes Faust wird der Staat mit dieser Methode seine Schulden los – wie heute die Staaten mit Geldschöpfung durch die Notenpressen. Der private Konsum steigt, doch „im weiteren Verlauf artet das Treiben in Inflation aus, und das Geldwesen wird infolge der rapiden Geldentwertung zerstört“, so Weidmann weiter. Und er fügte an: „Es ist beeindruckend, dass und wie Goethe den Zusammenhang von Papiergeldschöpfung, Staatsfinanzierung und Inflation – und somit ein Kernproblem ungedeckter Währungsordnungen – in ‚Faust II‘ beleuchtet.“

Weidmann stellte schließlich die Frage: „Ist bei der Möglichkeit, Geld mehr oder weniger frei zu schaffen, die Versuchung nicht sehr groß, dieses Instrument zu missbrauchen und sich kurzfristig zusätzliche Spielräume zu schaffen, auch wenn damit langfristiger Schaden wahrscheinlich ist?“ Seine Antwort: „Ja, diese Versuchung besteht sehr wohl, und viele sind ihr in der Geschichte des Geldwesens bereits erlegen.“

Europa braucht keine Draghis, Asmussens, Bofingers und wie die ganzen Hasardeure alle heißen, die der totalen Transferunion und Geldentwertung das Wort reden, sondern Ökonomen vom Schlage eines Jens Weidmann oder auch Hans-Werner Sinn, die nüchtern und klar analysieren, wo die Probleme liegen und entsprechende Konsequenzen einfordern. Nur mit Sachverstand und entschlossenem Handeln, nicht mit Ideologie und ökonomischer Quacksalberei, kann Europa und damit auch Deutschland von dem Schuldenabgrund weggerissen werden.

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