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Dongfeng-Angriff auf Daimler

Chinesischer Lkw-Marktführer holt Volvo an Bord

Donnerstag, 02 Oktober 2014 22:19 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Chinesischer Lkw-Marktführer holt Volvo an Bord Quelle: volvo.de

Magdeburg - Die Volksrepublik China ist für die Automobilindustrie der größte Wachstumsmarkt der Welt. Mittlerweile haben die Chinesen bei den Eigenproduktionen gewaltig aufgeholt – auch bei den Lkw, die mittlerweile sogar in den Export gehen, beispielsweise nach Afrika oder Osteuropa. Führend in dem Segment ist der Hersteller Dongfeng, der sich dieser Tage erstmals auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover präsentierte.

Mit 264.400 neu zugelassenen Fahrzeugen ist Dongfeng dem Weltmarktführer Daimler (355.000) dicht auf den Fersen. Und schon auf Platz drei folgt mit First Automotive Works (180.800) ein weiterer chinesischer Hersteller. Volkswagen mit seinen Marken MAN und Scania (178.500) kommt erst auf dem vierten Platz. Unter den zehn größten Lkw-Bauern der Welt finden sich gleich drei weitere aus dem Reich der Mitte: CNHTC Sinotruck auf Platz sechs (150.800), BAIC Foton auf Platz acht (136.000) und Weichai Power Shaanxi auf Platz zehn (104.100). Auf dem heimischen Markt sind die chinesischen Hersteller führend. Dort werden aus eigener Produktion pro Jahr eine Million Lastfahrzeuge über sechs Tonnen verkauft – mehr als auf dem amerikanischen, japanischen und europäischen Markt zusammen.

Technisch und von der Ausstattung her erreichen die meisten chinesischen Lkw noch nicht europäisches Niveau oder verfehlen die Euro-Abgasnorm, allerdings könnte ein scharfer Konkurrent der deutschen Autobauer Daimler und VW den notwendigen Knowhow-Schub für Dongfeng bringen. Volvo, mit 177.200 Neuzulassungen weltweit auf Platz fünf, ist gerade dabei, sich mit 45 Prozent bei dem chinesischen Nutzfahrzeughersteller einzukaufen. Das „Handelsblatt“ meint dazu: „Die Schweden könnten den Chinesen helfen, weltweit ein Netz an Servicestellen aufzubauen. Auch beim Einkauf und der Technik könnte das Duo seine Kräfte bündeln und Weltmarktführer Daimler von oben und unten in die Zange nehmen.“

Eine Einschätzung die auch die Beratungsgesellschaft A.T. Kearney teilt, die in einer aktuellen Studie zu dem Schluss kommt, dass Dongfeng durch die Allianz mit der Volvo Group, zu der auch die Marken Renault und Mack gehören, nicht nur einen besseren Zugang zu den Exportmärkten erhält, sondern auch von den Erfahrungen der Schweden im Service- und Ersatzteilgeschäft profitieren wird. Außerdem dürften erhebliche Kostenvorteile durch die gemeinsame Produktion entstehen, die vor allem den Weltmarktführer Daimler in Bedrängnis bringen könnten.

Mit der Volvo-Kooperation schlägt Dongfeng ein neues Kapitel in seiner Unternehmensgeschichte, die bis zu Maos Zeiten zurückreicht, auf. Der 1969 in der Kleinstadt Shiyan in der Provinz Hubei unter dem Namen „Automobilwerke Nummer zwei“ gegründete Nutzfahrzeug-Hersteller war Teil der sogenannten „Bewegung der dritten Front“, die Chinas einstiger Staatsführer ausrief, um die Industrialisierung in 13 Provinzen im Landesinneren voranzutreiben.

In den achtziger Jahren fusionierte das Werk in Shiyan im Zuge der Wirtschaftsreformen Deng Xiaopings mit acht weiteren Betrieben zu Dongfeng. Mittlerweile hat der börsennotierte Staatskonzern seinen Hauptsitz in der Provinzhauptstadt Wuhan und produziert in seinen 15 Fabriken neben Lastwagen auch Personenwagen und Busse. Der Fahrzeugriese kooperiert bereits mit Renault, Nissan, Honda und Kia und war zuletzt sogar an der Rettung des französischen Autokonzern Peugeot Citroën beteiligt. Dongfeng machte im vergangenen einen Umsatz von 58 Milliarden Euro und beschäftigt 300.000 Menschen.

Letzte Änderung am Donnerstag, 02 Oktober 2014 22:25
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