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Negativberichterstattung über ein Stuttgart-Projekt und drei Mallorca-Investments

Crowdfinanzierer Bergfürst hatte 2020 offenbar Schwierigkeiten mit Projektpartnern

Mittwoch, 13 Januar 2021 14:56 geschrieben von 
Crowdfinanzierer Bergfürst hatte 2020 offenbar Schwierigkeiten mit Projektpartnern Quelle: DERFFLINGER

Berlin – Mit einer Investitionssumme von 500 Euro kann man heute schon problemlos Hauseigentümer werden, zumindest digitaler Miteigentümer. Und das scheinbar transparent und renditestark per Mausklick. Möglich machen das auf Immobilien spezialisierte Crowdinvesting-Plattformen wie die der Berliner Bergfürst AG. Anleger werden mit angeblich sicheren Renditen für Immobilieninvestments geködert, die aber alles andere als sicher sind. Das liegt auch daran, dass die Kapitalvermittlungs-Portale meist mit Nachrangdarlehen arbeiten. Das heißt, die Kleinanleger erhalten im Insolvenzfall eines Projektträgers erst nachrangig ihr investiertes Geld, weil vorrangig alle anderen Gläubiger bedient werden. Schlimmstenfalls kommt es zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Mit diesem Risiko müssen auch die Investoren des Finanzdienstleisters Bergfürst leben, dessen gleichnamige Plattform 2011 von Guido Sandler und Dennis Bemmann gegründet wurde. Den in Aussicht gestellten Jahresverzinsungen zwischen fünf und sieben Prozent stehen naturgemäß erhebliche Risiken gegenüber. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. wandte sich in einem Online-Beitrag über „Risiken und Fallstricke der Schwarmfinanzierung“ deshalb direkt an potenzielle Anleger: „Beachten Sie, dass ein Totalverlust des investierten Geldes möglich ist. Scheitert das Unternehmen oder Projekt, verlieren die Anleger im schlimmsten Fall ihre eingezahlten Gelder.“

Anfang letzten Jahres berichteten mehrere Nachrichtenportale der Finanzdienstleistungsbranche von großen Problemen der Bergfürst AG mit einigen Projektpartnern. Am 11. Februar 2020 meldete beispielsweise „Fonds professionell“, dass der Immobilienunternehmer Peter Dreher für sechs Projekte Finanzierungen über die Plattform organisiert habe. Bei dreien davon zeichne sich eine „Leistungsstörung“ ab, und bei einem vierten Projekt habe Bergfürst finanziell schon aushelfen müssen. Bei den Investments „Stuttgart Neckarstraße 12/21“, „Mallorca Bellavista“ und „Mallorca Bellavista 71“ seien bis zum Veröffentlichungszeitpunkt des Online-Beitrages die zum 31. Dezember 2019 fälligen Zinszahlungen ausgeblieben, wie Bergfürst-Sprecherin Andrea Kummermehr bestätigt haben soll. Beim Stuttgarter Projekt handelt es sich um eine Wohnimmobilie im Bestand und bei den Mallorca-Investments um Projektentwicklungen.

Probleme soll es auch mit einer vierten Immobilie geben, der Mallorca-Projektentwicklung „Vista del Mar“. Das Portal „Fonds professionell“ schrieb dazu: „Rund 1,3 Millionen Euro hatten Crowdinvestoren dem Unternehmer Peter Dreher über Bergfürst zur Verfügung gestellt. Der konnte jedoch bei Fälligkeit zum 31. Oktober 2019 das Darlehen nicht vollständig zurückführen, sodass Bergfürst in die Bresche sprang, Anlegern ihre offenen Forderungen abkaufte und selbst in die Gläubigerposition eintrat.“ Wenn es so weit gekommen ist, wurden die zu finanzierenden Projekte des Herrn Dreher im Vorfeld offensichtlich nicht gründlich genug geprüft.

Die Negativberichterstattung über die drei zinssäumigen Projekte „Stuttgart Neckarstraße 12/21“, „Mallorca Bellavista“ und „Mallorca Bellavista 71“ zeigte jedenfalls Wirkung. Bereits am 27. Februar 2020 meldete „Fonds professionell“, dass die unwürdige Zitterpartie für die Bergfürst-Anleger vorerst vorbei sei, jedenfalls was die drei vorgenannten Crowdinvestments angehe. Die Anleger hätten die längst fälligen Zinsen für das zweite Halbjahr 2019 mit fast dreimonatiger Verspätung ausgezahlt bekommen. Bergfürst-Vorstand Guido Sandler und Aufsichtsratschef Oliver Pabst dürften aufgeatmet haben, dass Immobilienunternehmer Peter Dreher doch noch die ausstehenden Zinszahlungen an die Investoren leistete. Wäre das bis Anfang März nicht geschehen, hätte Bergfürst versuchen müssen, die vorliegenden Sicherheiten zu verwerten – Bürgschaften von Dreher und grundbuchliche Besicherungen.

Die Vertrauensbasis zwischen Immobilienfinanzierer Bergfürst und dem Projektentwickler dürfte nach diesen Erfahrungen nachhaltig erschüttert sein. Der Darlehensnehmer soll für seine Geschäftspartner in dieser prekären Lage nicht erreichbar gewesen sein und es nicht einmal für nötig erachtet haben, seine Gläubiger über die Hintergründe der Zahlungsprobleme zu informieren. Selbst Bergfürst als Mittler der Kredite soll keinerlei Informationen erhalten haben. Allein für die Projekte „Stuttgart Neckarstraße 12/21“, „Mallorca Bellavista“ und „Mallorca Bellavista 71“ bekam Dreher über die Bergfürst-Plattform, so berichtete „Fonds professionell“, Darlehen in Höhe von insgesamt rund 5,3 Millionen Euro. Auch wenn die überfälligen Zinsen für das zweite Halbjahr 2019 doch noch ausbezahlt worden sind, bleibt offen, ob überhaupt die Darlehen wieder zurückgeführt werden können.

Die Serie schlechter Nachrichten setzte sich für die Bergfürst AG fort. Andere Nachrichtenportale berichteten über Probleme mit weiteren Partnern. Nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ hat sich der Berliner Immobilien-Crowdfinanzierer mit seinem wichtigsten Projektpartner überworfen, der Unternehmungsgruppe „Bonafide Immobilien“ von Stefan Schepers. Für die soll Bergfürst in den zurückliegenden Jahren insgesamt 17 Millionen Euro bei Kleinanlegern eingesammelt haben. Laut „Finanz-Szene“ schwelte der Konflikt zwischen Bergfürst und Bonafide schon monatelang, bis er im Frühjahr 2020 ganz offen vor den Schwarminvestoren ausgetragen wurde. Um diese auf die eigene Seite zu ziehen, informierten Anfang Mai beide Unternehmen die Anleger über ihren Zwist. Auf Nachfrage von „Finanz-Szene“ bestätigten Bergfürst und Bonafide offenbar, dass die Zusammenarbeit eingestellt worden ist. Gleichzeitig sollen sie sich gegenseitig vorgeworfen haben, Absprachen nicht eingehalten zu haben. Das Portal, das sich selbst als „Newsletter für die Banken- und Fintechbranche“ bezeichnet, schrieb dazu im Mai vergangenen Jahres: „Dabei verlieren die Akteure vor den Augen leidgeprüfter Anleger die Nerven und fetzen sich auf offener Bühne untereinander: Was die Sache besonders heikel macht: Bei neun der insgesamt 15 Projekte, die Bonafide mithilfe der Bergfürst-Anleger finanzierte, stehen über die nächsten Jahre noch Tilgungszahlungen von rund 13,5 Millionen Euro an. Heißt: Es geht bei dem Konflikt konkret ums Geld der Schwarminvestoren.“

Auslöser dieser unprofessionellen und die Anleger in hohem Maße verunsichernden Streitigkeiten sollen die Rückzahlungsmodalitäten beim Projekt „Rheinstraße Duisburg“ gewesen sein. Hier hätten sich Bergfürst und Bonafide gleich in mehreren Punkten verhakt. Dem Portal zufolge ging es um diese Fragen: „Soll die Tilgung an die Anleger einzeln erfolgen? Welche Gebühren fallen hierfür an? Und wann wird die Grundschuld gelöscht? Bergfürst sieht die Bonafide-Gruppe in der Verantwortung. Diese wiederum beschuldigt Bergfürst, genau die Rückzahlungen zu erschweren.“ Für ein Unternehmen wie Bergfürst, das schon so lange digitale Immobilieninvestments vermittelt, sind derartige Meldungen mehr als peinlich.

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