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Deutschland in der „Zinsfalle“

Dachfonds-Pionier Eckhard Sauren warnt vor den Auswirkungen der Niedrigzinspolitik

Mittwoch, 11 Februar 2015 05:40 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
„Die Zinsfalle“ von Eckhard Sauren „Die Zinsfalle“ von Eckhard Sauren

Magdeburg - Der Unternehmer und Finanzanalyst Eckhard Sauren, der mit dem SAUREN Global Growth im März 1999 einen der ersten in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Dachfonds auf den Markt brachte, fürchtet, dass die Vermögensbildung in Deutschland durch die Niedrigzinspolitik der EZB gefährdet ist.

Weil auch weiterhin mit minimalen Zinsen im Euroraum zu rechnen sei und das Gros der deutschen Vermögen in Anlagen mit einer Verzinsung von unter einem Prozent steckt, wirke sich das faktische Nullzinsniveau auch auf klassische Anlageformen wie die bei den Deutschen besonders beliebte Lebensversicherung negativ aus. „Versicherungen investieren viel in Anleihen – und laufen damit in die Zinsfalle“, so der führende Spezialist für qualitative Fondsanalysen in Deutschland.

In seinem neuen Buch „Die Zinsfalle“ analysiert der mehrfach ausgezeichnete Gründer und Geschäftsführer der SAUREN Gruppe mit seinem Research-Team, welche Auswirkungen sich für Anleihen, aber auch für vermögensverwaltende Fonds, Versicherungen, Banken und Immobilien unter den Bedingungen faktischer Nullverzinsung ergeben. Deutlich wird dabei, dass auch konservative Anlageformen immer stärker zum Risiko geraten.

Fatale Billiggeldschwemme

Sauren und seine Mitarbeiter gehen in den insgesamt acht Kapiteln des Buches auch der Frage nach, welche Auswirkungen die deutlich rückläufigen Kapitalanlagerenditen auf Lebensversicherungen haben und ob diese ihre Garantien in einem länger anhaltenden Niedrigzinsumfeld erfüllen können. Daneben zeigen die ausgewiesenen Experten auf, dass auch Tages- und Festgeld nicht wirklich dauerhaft sicher sind.

Schon in der Einleitung wird wertvolles Grundlagenwissen vermittelt. Neben der Bedeutung von Zinsen erläutert Sauren kompetent, aber allgemein verständlich, was es mit der Geldpolitik auf sich hat und welche Nebenwirkungen die Nullzinspolitik und das Quantitative Easing der Zentralbanken mit sich bringen. Hierbei lässt er auch die Entwicklung der weltweiten Billiggeldschwemme noch einmal Revue passieren. Sein Fazit: „Wir müssen also feststellen, dass der Rückenwind der letzten gut 30 Jahre in dieser Form nicht mehr vorhanden ist und das die massive Einflussnahme der Zentralbanken möglicherweise neue Risiken heraufbeschwört. Die Anlageergebnisse der vergangenen Jahre können vor diesem Hintergrund auf keinen Fall fortgeschrieben werden. Es ist zwingend erforderlich, sich mit den Konsequenzen des Niedrigzinsumfeldes auseinanderzusetzen.“

Sicherheit schwindet

In den weiteren Kapiteln erläutern Sauren und sein Autorenteam verschiedene Anlageformen, bevor sie auf die jeweiligen Folgen der „Zinsfalle“ für jede einzelne der Anlageklassen zu sprechen kommen. Analysiert werden Staats- und Unternehmensanleihen, Bankeinlagen, Immobilieninvestments, Aktien und Lebensversicherungen. Deutlich wird dabei, dass auf absehbare Zeit so gut wie alle Sparer mit einer realen Negativrendite zu rechnen haben, da sämtliche Anlageformen noch nicht einmal die Inflationsrate, die sich in den kommenden Jahren zwischen einem und 1,5 Prozent bewegen dürfte, auffangen werden.

Für Besitzer von Staatsanleihen – Papiere, die übrigens auch in vielen Rentenfonds enthalten sind – sieht es nach den Berechnungen von Sauren und seiner Mannschaft besonders düster aus. Wer etwa Ende 2014 eine Bundesanleihe gekauft hat, die mit einem Zinskupon von 3,75 Prozent ausgestattet ist und noch acht Jahre läuft, wird nach den vorliegenden Zahlen während der restlichen Laufzeit nur noch durchschnittlich 0,14 Prozent an Rendite erzielen, da der Kurs der Anleihe, die jetzt noch bei 112 Prozent steht, bis zum Laufzeitende auf den Nennwert von 100 Prozent zurückgehen wird.

Gravierende Folgen sagen Sauren und seine Mitarbeiter auch für die Versicherungsbranche und die Besitzer von Lebensversicherungen voraus. Neuabschlüsse böten nur noch einen mickrigen Zins, der nach Aufschlag der Kosten der Versicherer ebenfalls einen realen Verlust für die Kunden zur Folge haben werde. Doch damit nicht genug: Durch die Verpflichtungen der Versicherungsunternehmen, für Altverträge höhere Zinsen zahlen zu müssen, könnten viele Konzerne irgendwann an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten. Denn dort wo die Versicherer hauptsächlich ihr Geld anlegen, nämlich am Anleihemarkt, sei schließlich nichts mehr zu verdienen. Eine Flucht in Unternehmensanleihen ist nach Sauren allerdings keine Alternative, da auch hier die Kurse zu heiß gelaufen seien, während die Risikoaufschläge gegenüber den vermeintlich sicheren Staatstiteln zu gering ausfielen.

Selbst die Immobilie, der Deutschen liebste Anlageform zur Vermögensbildung und Altersvorsorge, sei keine sichere Bank mehr. Zwar sind die Hypothekenzinsen analog zum allgemeinen Zinsniveau ebenfalls fast auf null gefallen, dafür klettern jedoch die Preise für Wohnimmobilien gerade in den Ballungszentren auf neue Höchststände. Das Verlustrisiko beim Verkauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung, blendeten Anleger gerne aus, meint Sauren.

„Blinder Fleck“ Edelmetalle

Als Ausweichmöglichkeit werden dem Leser im Schlusskapitel des Buches in erster Linie Aktien empfohlen. Dies sei die einzige Anlageform, bei der Anleger nicht unmittelbar von den Auswirkungen der Zinskrise betroffen seien, da Aktien als Unternehmensanteile als eher „zinsneutral“ einzustufen seien. Zu achten sei hierbei vor allem auf das Gewinnpotenzial des Unternehmens, dessen Aktien man sich zuzulegen gedenkt. Daneben würden nach Ansicht von Sauren auch flexible Rentenfonds und Absolute-Return-Fonds dem veränderten Marktumfeld gerecht, so dass man mit ihnen der „Zinsfalle“ entgehen könne. Letztere, eine relativ neue Fondsgattung, die zu den alternativen Investments gezählt wird, verheißen eine einigermaßen stabile Rendite. Hier spricht Sauren allerdings nicht nur als Ratgeber, sondern vor allem in eigener Sache. Zuletzt legte er nämlich mit dem SAUREN Absolute Return, einen Dachfonds auf, der direkt in diese neue Generation von Fonds investiert.

Überhaupt nicht berücksichtigt wird die Investition in Edelmetalle. Gold und Silber werfen zwar keine Zinsen ab, unterliegen damit aber erst recht nicht der von Sauren dargelegten „Zinsfalle“. Für eine langfristige wertbeständige Anlage, beispielsweise für die Alterssicherung, sind sie als Bestandteil eines ausgewogenen Portfolios nach wie vor dringend zu empfehlen. Insofern ist „Die Zinsfalle“ im Analyseteil durchaus überzeugend, lässt im Ratgeberteil, jedoch einen wichtigen Aspekt vollkommen außer Acht.

 

Eckhard Sauren: Die Zinsfalle. Die neue Bedrohung für konservative Anleger – Gefahren für das Portfolio erkennen und vermeiden
FinanzBuch Verlag, 256 Seiten, geb., € 19,99
ISBN 978-3898798983

Letzte Änderung am Mittwoch, 11 Februar 2015 05:49
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