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Fallende Erzeugerpreise

"Deflationäre Charakterzüge“? – Sorgen um China-Konjunktur nehmen zu

Donnerstag, 16 Oktober 2014 07:01 geschrieben von  Hans Driesch
Skyline von Shanghai Skyline von Shanghai

Magdeburg - In China bewegt sich die Inflationsrate in der Nähe ihres Fünf-Jahres-Tiefs: Wie das nationale Statistikamt bekanntgab, wurde im September nur noch ein Preisauftrieb von 1,6 Prozent gemessen, womit das selbstgesteckte Inflationsziel der chinesischen Regierung, das bei 3,5 Prozent liegt, weit unterschritten würde. Besonders besorgniserregend ist, dass sich der freie Fall der Produzentenpreise – also der Preise, die die Erzeuger von Gütern erhalten – auch im September weiter fortgesetzt hat:

Im September dieses Jahres gingen die Produzentenpreise um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Damit fallen die chinesischen Erzeugerpreise bereits seit Anfang 2012, was auf große brachliegende Überkapazitäten in der chinesischen Industrie hindeutet. Nun hat erstmals auch ein Analyst das gefürchtete „D-Wort“ in den Mund genommen: Frederik Kunze von der NordLB sprach mit Blick auf die Entwicklung im chinesischen Erzeugerpreissektor von „deflationären Charakterzügen“. Dies gilt insbesondere deshalb als gefährlich, weil sinkende Güterpreise viele Konsumenten und Investoren dazu bewegen, ihre Käufe und Investitionen immer weiter in die Zukunft zu verschieben und Geld zu horten, um so zu einem späteren Zeitpunkt zu noch günstigeren Preisen einzukaufen – eine Entwicklung, die schlimmstenfalls in einer volkswirtschaftlichen Depression münden kann. In der vergangenen Woche wurden am Rande des Staatsbesuchs von Chinas Regierungschef Li Keqiang in Deutschland noch zahlreiche milliardenschwere Wirtschaftsprojekte beschlossen. So besiegelten Daimler und sein chinesischer Partner Beijing Automotive (BAIC) noch den Ausbau der Fahrzeugproduktion im Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz (BBAC) und die Deutsche Telekom und der weltgrößte Mobilfunkanbieter China Mobile schlossen eine Vereinbarung über die Gründung eines Joint Ventures im Jahr 2015, das ganz dem Projekt „Vernetztes Auto“ gewidmet sein soll. Sogar der deutsche Fussballclub Schalke 04 vereinbarte mit dem chinesischen Telekomausrüster Huawei die Installation eines WLAN-Netzes im Gelsenkirchener Stadion. Bei Börsianern freilich dürften die neuen chinesischen Inflationszahlen die Sorgenfalten noch vergrößern, denn sowohl bei den im DAX als auch im MDAX gelisteten deutschen Unternehmen handelt es sich größtenteils um exportabhängige Zykliker, die meist auch stark im Chinageschäft engagiert sind. Wenn neben Russland also auch noch China in die Rezession schlittern sollte, dürfte der DAX für lange Zeit seine Höchststände gesehen haben.

Letzte Änderung am Samstag, 25 Oktober 2014 15:46
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