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Kein Griechenland-Aufschwung in Sicht

Der Industriesektor bleibt in den roten Zahlen / verheerende soziale Folgen

Freitag, 27 Juni 2014 14:50 geschrieben von 
Akropolis Akropolis Quelle: pixabay.org

Athen - EU-Technokraten und Banken-Mächtige werden zwar nicht müde, den Aufschwung Griechenlands herbeizureden – die ökonomischen Kennzahlen sprechen aber eine andere Sprache. Von einer erfolgreichen Stützung des Pleitelandes im europäischen Südosten und erst recht von einer wirtschftlichen Erholung kann keine Rede sein.

Fakten: Die Umsätze der griechischen Industrie brechen ein. Der Rückgang der Produktion und die daraus resultierenden sinkenden Exporte belasten das Bruttoinlandsprodukt (BIP), und zwar mittlerweile chronisch. Viele Experten vertreten inzwischen die Auffassung, die Milliarden zur Griechenland-Rettung hätten dem Land mehr geschadet als genützt.

Von geradezu drastischer Aussagekraft sind Zahlen zur industriellen Leistungsfähigkeit des Landes. Die griechische Statistikbehörde ELSTAT hat für April 2014 einen Absturz des Industrie-Umsatzindexes um 9,8 Prozent ausgemacht. Das ist doppelt so viel wie der Rückgang im vorigen Jahr (4,6 Prozent).

Der Rückgang bei der Produktion und den daraus folgenden absackenden Exporten zieht zwangsläufig das BIP nach unten. Diejenigen Wirtschaftszweige, die eine erhöhte Nachfrage aufweisen, schaffen dies nicht durch eine Erhöhung der Inlandsproduktion, sondern durch Importe. Selbst wenn durch den zugkräftigen Tourismus wieder mehr Geld in den griechischen Markt gepumpt wird, wird es von den Importen geschluckt und fließt so nicht in das BIP, berichtet das Wirtschaftsmagazin „Capital“.

Für die Regierung in Athen herrscht jetzt dringender Handlungsbedarf, denn der Absturz der Industrieproduktion führt zu dauerhaften Defiziten in der Handelsbilanz, die sich auch durch künftige Stützungsaktionen der europäischen Partner nicht mehr werden ausgleichen lassen.

Im Augenblick zählt der Bergbau zu den wenigen griechischen Wirtschaftszweigen, der Zuwächse zu verzeichnen hat. Dies liegt an den steigenden Preisen für Rohstoffe, wie etwa Nickel. Die Branche kann beim Umsatzindex ein Plus von 11,5 Prozent melden. Die verarbeitende Industrie muss dagegen beim Umsatzindex ein Minus von satten zehn Prozent hinnehmen. Auf dem Inlandsmarkt ist der Umsatzindex um 7,9 Prozent, auf dem Auslandsmarkt gar um 12,9 Prozent zurückgegangen.

Ausgeblendet werden aus der Industriestatistik im übrigen zahlreiche soziale Folgen des anhaltenden ökonomischen Abstiegs Griechenlands. Aufgrund der Forderung der sogenannten Troika aus Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Gesundheitsausgaben von 9,8 Prozent auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu kürzen, wurden die griechischen Haushaltsmittel für öffentliche Krankenhäuser zwischen 2009 und 2011 um stattliche 25 Prozent reduziert. Dies dokumentiert ein Bericht von Wissenschaftlern und Ärzten aus Oxford, Cambridge und der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM), der kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht wurde.

Eine der Folgen: Nach 40 Jahren ist die Malaria nun wieder in Griechenland aufgetreten, weil sich die Regierung die Programme zur Bekämpfung der Mücken, die die Erreger weiterverbreiten, nicht mehr leisten kann. Überspitzt ließe sich sagen, die Euro-Retter gehen über Leichen...

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