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Horst Seehofer will Gaskraftwerke statt neuer Stromtrassen

Der Strompreis könnte in Teilen Deutschlands bald massiv steigen

Montag, 06 Oktober 2014 18:56 geschrieben von  Torsten Müller
Horst Seehofer Horst Seehofer Quelle: CSU

Magdeburg - Die Ankündigungen des bayrischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, keine Stromtrassen nach Bayern zuzulassen und stattdessen auf eigene Gaskraftwerke setzen zu wollen, könnten schon bald handfeste Konsequenzen mit sich bringen. Seehofer torpediert mit seinem Ansinnen die Energiewende-Politik der Bundesregierung und will auch überprüfen lassen, ob die neuen Superleitungen überhaupt benötigt werden. Die EU-Kommission trägt sich mit dem Gedanken, Deutschland in zwei Strompreiszonen aufzuteilen, wenn die geplanten Trassen, die Strom vom Norden in den Süden transportieren sollen, nicht gebaut werden. Dies würde deutlich höhere Strompreise für Bayern und Baden-Württemberg mit sich bringen.

Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), sagte gegenüber dem „Focus“: „Kommen die Stromtrassen nach Bayern nicht, dann müssten die Länder im Norden sofort aufhören, neue Windkraftanlagen zu installieren.“ Und weiter warnt er: „Dann hätten wir einen gespaltenen Energiemarkt. In Bayern wäre der Strom teurer als im Norden, wo Überfluss herrscht.“ Die Pläne Seehofers, die Versorgungsengpässe durch eigene Gaskraftwerke ausgleichen zu wollen und sich damit unabhängig von neuen Stromleitungen zu machen, hält er für unrealistisch, da neue Gaskraftwerke sich derzeit nur mit Subventionen rechnen würden.

Eine im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte Studie hat nun ergeben, dass die Preiserhöhungen sich auf etwa zehn Prozent belaufen würden. Norwegische Strommarktexperten haben ihrer Studie zugrunde gelegt, dass die EU-Kommission Deutschland drängen wird, seinen Elektrizitätsmarkt in eine nördliche und eine südliche Preiszone aufzuteilen.

Konkret begründet wird der Preisanstieg damit, dass die Versorgungsengpässe in Bayern schon heute jährliche Kosten in dreistelliger Millionenhöhe mit sich bringen, die aber bislang von den bundesweiten Stromkunden getragen werden. Künftig wäre die Südzone diesbezüglich auf sich allein gestellt. Es wird außerdem erwartet, dass sich diese Situation noch verschärfen wird, wenn im Jahr 2022 drei bayerische Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Der Bundesregierung stehen offenbar harte Konflikte ins Haus. Doch Seehofer muss ebenso aufpassen, dass seine öffentlichkeitswirksamen Alleingänge sich nicht eines Tages als politischer Bumerang erweisen.

So oder so: die Energiewende erweist sich als nicht zu Ende gedacht, obwohl sie das Prestigeprojekt der amtierenden Bundesregierung werden sollte. An einer möglichst föderalen oder sogar kommunalen Energieversorgung wird man letztlich nicht herumkommen, weil eine zentral am Reißbrett entworfene Energiepolitik offenbar nicht funktioniert.

Letzte Änderung am Montag, 06 Oktober 2014 18:59
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