www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Naht die Konjunkturflaute?

Deutlicher Auftragsrückgang bei der deutschen Industrie

Dienstag, 07 Oktober 2014 18:02 geschrieben von  Torsten Müller

Berlin - Nach mehreren negativen wirtschaftlichen Kennziffern und Prognosen hat nun auch die deutsche Industrie Zahlen vorgelegt, die alles andere als optimistisch stimmen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, ist die Produktion von Industrie, Baugewerbe und Energie-Erzeugern im August um etwa vier Prozent zurückgegangen. Die deutsche Industrie hatte sogar einen Rückgang von 6,0 Prozent zu beklagen. Solch ein großes Minus war zuletzt vor über fünf Jahren zu verzeichnen gewesen. Den größten Rückgang mussten die Produzenten von Industriegütern hinnehmen, dort lag das Minus bei 8,8 Prozent. Besonders hart traf es die Hersteller von Nutzfahrzeugen und Elektrotechnik-Gütern.

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium war zu vernehmen: „Die Industriekonjunktur durchläuft gegenwärtig eine Schwächephase.“ Ökonomen gingen ursprünglich nur von einem Minus in Höhe von 1,5 Prozent aus, für das gesamte dritte Quartal ist somit von deutlich schlechteren Zahlen als erwartet auszugehen. Das Ministerium gibt aber auch zu bedenken, dass das August-Ergebnis in Teilen durch die Ferien verursacht sein kann. Dazu sagte jedoch Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus: „Die Industrieaufträge waren schon nicht so toll. Die Produktionszahlen sind noch etwas ernüchternder. Die späten Sommerferien erklären nicht alles.“

Bestellungen aus Ländern außerhalb der Euro-Zone gingen um 9,9 Prozent zurück. Der Auftragseingang gilt aus Sicht von Ökonomen als verlässlicher Indikator für die künftige wirtschaftliche Entwicklung.

Innerhalb der Industriebranche wird in diesem Jahr mit einem leichten Plus von einem Prozent, im kommenden Jahr von zwei Prozent gerechnet. Bedingung hierfür ist aber, dass die europäische Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt und sich die geopolitische Lage in der Ukraine, in Syrien, im Irak und im Israel-Palästina-Konflikt beruhigt. Doch davon ist – ganz realistisch betrachtet – vorerst nicht auszugehen.

Ulrike Karstens von Sal. Oppenheim sagte zur aktuellen, konjunkturellen Entwicklung: „Die konjunkturelle Dynamik in Deutschland ist zum Erliegen gekommen. Über die Exportseite werden wir in den kommenden Monaten eine Belastung spüren. Die gesamte Stimmung dürfte sich weiter eintrüben, die private Konsumlaune lässt auch nach.“

Hinzu kommen negative, wirtschaftliche Entwicklungen in Brasilien und China. Brasilien ist in die Rezession gerutscht, China verfehlt die selbstgesteckten Wachstumsziele.

Die Folgen für die Weltwirtschaft sind somit kaum abzuschätzen.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)