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Sanktionsgeschädigte schließen sich zusammen

Deutsch-Russischer Wirtschaftsbund fordert Entschädigungen

Donnerstag, 29 Januar 2015 13:49 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Flagge Russlands Flagge Russlands

Magdeburg - Seit Beginn des Ukraine-Konflikts erhalten deutsche Unternehmen teilweise 60 Prozent weniger Aufträge und Bestellungen aus Russland. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass hiesige Firmen mit ihren Russland-Geschäften im letzten Jahr mindestens 7,2 Milliarden Euro weniger umsetzten als 2013. Vor allem der Mittelstand leidet unter den Sanktionen gegen Russland: Eine Umfrage der DZ Bank ergab, dass 28 Prozent aller mittelständischen Unternehmen davon betroffen sind, 40 Prozent erwarten negative Auswirkungen, fünf Prozent sogar „deutlich negative“.

In Hamburg haben sich sanktionsgeschädigte Firmen nun zum Deutsch-Russischen Wirtschaftsbund zusammengeschlossen, der sich für kleine und mittlere Unternehmen einsetzt, „die alleine von der Politik nicht wahrgenommen werden“, wie Verbandspräsident Hans-Dieter Philipowski betont. Vor allem im Bereich Maschinenbau sei die Unsicherheit groß. Der Hamburger Familienunternehmer, dessen Firma unter anderem Spezialanlagen für die russische Öl- und Gasindustrie herstellt, befürchtet, dass viele Produzenten ihre Lieferungen gen Osten bald komplett einstellen würden, da niemand absehen könne, ob sich eine Exportware nicht schon bald auf der Sanktionsliste wiederfinde.

 

Philipowski warnt davor, dass gemäß einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom 15. Januar bereits im März mit neuen Sanktionen zu rechnen sei. Umso wichtiger sei es jetzt, klare Positionen zu beziehen und die Interessen der Unternehmen, die von den Sanktionen betroffen sind, zu bündeln und deutlich an die deutsche und europäische Politik zu adressieren. Darüber hinaus hat der engagierte Chef des Deutsch-Russischen Wirtschaftsbund Entschädigungszahlungen für die geschädigten Unternehmen ins Spiel gebracht, wohl wissend, dass es dafür keinen Rechtsanspruch gibt. Klein beigeben will Philipowski trotzdem nicht. Schließlich sei auch die deutsche Landwirtschaft – wie zuletzt nach der Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 – mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt entschädigt worden.

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