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Angst fährt mit

Deutsche Bahn beklagt zunehmende Gewalt gegenüber Bahnpersonal

Freitag, 17 April 2015 16:06 geschrieben von  Dirk Schneider
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Düsseldorf - In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Gewalttaten gegenüber Mitarbeitern der Deutschen Bahn im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. Die Zahl habe sich um vierzig Prozent auf nun 280 Übergriffe erhöht.

„Die Entwicklung bereitet uns große Sorgen“, erklärte der Sicherheitschef der Deutschen Bahn in NRW, Oliver Wisser. Die Gewalt richte sich in mehr als siebzig Prozent der Fälle gegen das Sicherheitspersonal an den Bahnhöfen. Außerdem gegen Fahrkartenkontrolleure in den Zügen. Dabei seien ernste Verletzungen zum Glück die Ausnahme, wie Gerd Neubeck, oberster Sicherheitchef der Deutschen Bahn, erklärte. Neunzig Prozent der Übergriffe würden juristisch als einfache Körperverletzung gewertet.

Häufig reichten banale Umstände bereits aus, damit die Situation eskaliert, so Wisser. „Es ist schon passiert, dass einer unserer Mitarbeiter geschlagen wurde, weil er jemanden darauf hingewiesen hat, dass er im Bahnhof nicht rauchen darf.“ Oftmals seien die Täter alkoholisiert oder anderweitig aufgeputscht, etwa nach einem Fußballspiel oder nach Diskothekenbesuchen am Wochenende. Brennpunkte seien die Bahnhöfe Köln, Düsseldorf, Dortmund und Oberhausen, so Wisser.

Bei einer aktuellen Mitgliederbefragung der Lokführergewerkschaft GDL gaben knapp zwei Drittel der Zugbegleiter aus NRW an, sie seien mindestens einmal körperlich angegriffen worden. Beschimpfungen von Fahrgästen sei für 93 Prozent des Personals Alltag. „Die Quote der Gewalt ist deutlich gestiegen“, erklärte der GDL-Chef NRWs Sven Schmitte. „Zwanzig Prozent der Kollegen haben täglich Angst, zur Arbeit zu gehen. Achtzig Prozent haben Angst, alleine im Zug unterwegs zu sein.“

In Zukunft will die Bahn härter auf die Attacken reagieren: „Wir erteilen allen gefassten Tätern Haus- und Fahrverbote.“ Außerdem werde das für die Sicherheit zuständige Personal an den besonders schlimmen Bahnhöfen nun noch öfter durch Beamte der Bundespolizei verstärkt und die Video- und Überwachungstechnik ausgebaut.

Neben der steigenden Gewalt gegenüber Mitarbeitern, beobachtet die Deutsche Bahn zudem immer häufiger Fälle von Vandalismus wie aufgeschlitzte Sitze, eingetretene Türen oder zerschlagene Fensterscheiben. Deren Zahl stieg 2014 bundesweit um weitere zwanzig Prozent auf insgesamt 2.400 Delikte. Auch das Problem von Schmierereien nahm drastisch zu: Mit 3.800 Taten und einer Fläche von 150.000 Quadratmetern verdoppelte sich die Anzahl hier sogar. „Wir gehen entschlossen dagegen vor, bringen jede Tat zur Anzeige und lassen uns den verursachten Schaden von den Tätern bezahlen“, so Wisser. Inzwischen gebe es regelmäßig Patrouillengänge mit Wärmebildkameras um die Täter auf frischer Tat zu ertappen.

Auf geradezu spektakuläre Weise geht die Bahn zudem gegen Metalldiebe vor: Spezialkräfte buddelten sich demnach an Strecken, die für Diebstahl besonders prädestiniert seien, in der Erde ein und legten sich auf die Lauer bis die Diebe kämen. „So konnten wir in diesem Jahr schon viele Metalldiebe überführen.“

Letzte Änderung am Freitag, 17 April 2015 16:20
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