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Michael Hüther vom IW besorgt

Deutsche Unternehmen immer weniger investitionsfreudig

Mittwoch, 01 Oktober 2014 06:55 geschrieben von  Susanne Hagel
Deutsche Unternehmen immer weniger investitionsfreudig Quelle: IW Medien

Frankfurt am Main - Würde der recht starke deutsche Binnenmarkt nicht die Konjunktur stützen, wären die ökonomischen Aussichten noch düsterer. Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) wiesen in ihrer neuen Prognose darauf hin, dass die Unternehmen in Deutschland immer weniger bereit sind, größere Investitionen zu tätigen.

Angesichts wachsender Konjunkturrisiken und nicht abebbender Konflikte im Ausland sei vor allem bei der Anschaffung von Maschinen und Geräten kaum Wachstum zu verzeichnen. Besonders die Krisen in Osteuropa und im arabischen Raum sowie die merklich schwächere Weltwirtschaft führen zu einer skeptischeren Perspektive vieler deutscher Unternehmen.

Für die so genannten Ausrüstungsinvestitionen erwarten die IW-Experten für das laufende Jahr ein Plus von 3,75 Prozent, obwohl ursprünglich mit einem deutlich höheren Anstieg gerechnet worden ist. Noch geringer wird das Investitionsplus im kommenden Jahr erwartet. Die IW-Autoren schreiben: „Obwohl die Finanzierungsbedingungen für Investitionen nach wie vor sehr gut sind, zeigen sich die Unternehmen zurückhaltend, weil sich ihre Geschäftserwartungen seit Beginn dieses Jahres spürbar eingetrübt haben.“ Der Direktor des IW, Michael Hüther sagte dazu: „Das gegenwärtige wirtschaftliche und politische Umfeld trägt keinen anhaltenden und breiten Aufschwung.“

Auch das Bruttoinlandsprodukt wird den IW-Forschern zufolge sowohl in diesem Jahr als auch im Jahr 2015 deutlich schwächer wachsen, als es ursprünglich prognostiziert worden ist. So werden jeweils Wachstumszahlen in Höhe von etwa 1,5 Prozent erwartet, obwohl noch im Frühjahr deutlich höhere Werte in Aussicht gestellt wurden.

Die einzigen beiden Stützen der Konjunktur seien derzeit Ausgaben der Verbraucher, deren Stimmung aktuellen Zahlen zufolge aber auch deutlich eingetrübt ist, und die verhältnismäßig gute Beschäftigungslage. Von einem signifikanten Abbau der Arbeitslosigkeit geht man im IW allerdings nicht aus.

Die wirtschaftlichen Kennziffern der letzten Monate lassen immer deutlicher werden, dass die europäischen Regierungen sich langfristig keinen Gefallen tun, wenn sie weiter auf Konfrontationskurs gegenüber Russland setzen. Denn dies kann offenbar sehr schnell zu wirtschaftlichen Verwerfungen führen, die – betrachtet man die Investitionsausfälle – auch langfristig gravierende Folgen für die Konjunktur in Deutschland haben können.

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