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Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) alarmiert

Deutsche Wirtschaft schrumpft

Mittwoch, 13 August 2014 17:25 geschrieben von  Susanne Hagel
Logo des ZEW Logo des ZEW Quelle: ZEW

München - Die deutsche Wirtschaft sank im August so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sank der Konjunkturindikator im Vergleich zum Vormonat um 18,5 Punkte auf 8,6 Punkte. Die Stimmung in der Wirtschaft habe sich spürbar eingetrübt: Bestellungen, Produktion und Umsätze in der Industrie haben sich abgeschwächt, verkündet auch das Bundeswirtschaftsministerium. Zwar sei die positive konjunkturelle Grundtendenz der deutschen Wirtschaft nach wie vor intakt, aber die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld hätten sich fraglos erhöht. Am Donnerstag wolle das Statistische Bundesamt eine erste Vorausschätzung veröffentlichen. Experten erwarten einen BIP-Rückgang um 0,1 Prozent. Der Absturz überrasche selbst viele Ökonomen.

Jesper Riedler, ZEW-Konjunktur-Experte, sieht die Ursachen vor allem in der Unsicherheit wegen der Ukraine-Krise und den Entwicklungen im Nahen Osten. "Die Unternehmen, auch wenn sie nicht direkt betroffen sind, sind unsicher und warten erst einmal ab, wie sich die Krise entwickelt." 

Im ersten Quartal kam es witterungsbedingt zunächst zu einer starken Produktionsausweitung, dann blieb die Frühjahrsbelebung nach dem milden Winter jedoch aus. 

Aufgrund der geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Monate durch den Rußland-Ukraine-Konflikt entfaltete sich die wirtschaftliche Aktivität im Euroraum zögerlicher als erhofft. Die Marktteilnehmer seien zunehmend verunsichert und hielten sich somit auch bei unternehmerischen Entscheidungen zurück. Das Ministerium rechnet damit, dass die Verunsicherungen schwerer wiegen als die unmittelbaren Auswirkungen der verhängten Sanktionsmaßnahmen. Der Rückgang der Arbeitsaufträge führte nun dazu, dass die Produktion in der Industrie deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums dürfte sich die Wirtschaftsleistung Deutschlands im zweiten Quartal sogar abgeschwächt haben.

Die Arbeitgeber nehmen die sich abzeichnende Konjunkturschwäche zum Anlass um die Erwartungen an die anstehenden Lohnrunden zu dämpfen. "Die konjunkturellen Aussichten trüben sich zurzeit ein", erklärte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Er rechne mit großen Verunsicherungen in den Unternehmen, was sich negativ auf die angestoßene Debatte zur Tarifpolitik ausüben dürfte.

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