www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Landwirtschaft:

Deutscher Bauernverband wendet sich mit Erklärung an die Politik

Montag, 25 Januar 2016 09:36 geschrieben von  Rüdiger Dietrich

Berlin – Einer aktuell verabschiedeten Erklärung des deutschen Bauernverbandes ist in wesentlichen Punkten die Einschätzung der gegenwärtigen Entwicklung des Agrarsektors und die Forderung der deutschen Landwirtschaft an die nationale und internationale Politik zu entnehmen. Deren Bedeutung ist abgesehen vom gesellschaftlichen Beitrag der Landwirtschaftsbetriebe auf kultur- und umweltfachlichem Gebiet vor allem aufgrund des direkten Zusammenhangs mit unserer Ernährungssituation hinsichtlich Versorgungssicherheit, Preisentwicklung und Qualität nicht gering zu schätzen. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die deutschen Agrarausfuhren mehr als verdreifacht, die Importe verdoppelt, wobei Deutschland dabei stets Nettoimporteur von Agrarprodukten und Lebensmitteln ist. Nach wie vor ist der heimische Markt mit einem geschätzten Absatzanteil von etwa 75 % der Dreh- und Angelpunkt für die deutsche Landwirtschaft. Rund 20 % der Erzeugung gehen in die Länder der Europäischen Union, lediglich der verbleibende Teil in Drittlandsmärkte.

Im Jahr 2014 waren 19,9 % der europäischen Agrar- und Lebensmittelexporte in Drittstaaten Rohstoffe, 51,8 % entfielen auf verarbeitete Lebensmittel, Lebensmittelzubereitungen und Getränke.  In erster Linie punkten deutsche Lebensmittel weltweit durch ihre hohe Qualität im Hinblick auf Lebensmittelsicherheit und Vielfalt, weshalb verlässliche veterinärrechtliche und phytosanitäre, aber vor allem handelspolitische Vereinbarungen Grundvoraussetzung für Exporte sind. 

Langfristig sollte nach Ansicht der Bauernverbandes das Ziel deutscher und europäischer Exportpolitik sein, Märkte und Käuferschichten zu erschließen, die die hohen europäischen Produkt- und Prozessstandards bei Lebensmitteln honorieren. Verwerfungen auf den heimischen Märkten im Zuge von Handelsliberalisierungen müssen vermieden werden. Eine für alle Beteiligten akzeptable Ausgestaltung von Handelsabkommen erfordert daher, für sensible Produktgruppen nur einen begrenzten Marktzugang in Europa einzuräumen. Diese Regelungen für den Marktzugang müssen sicherstellen, dass die europäischen Standards nicht ausgehöhlt werden. Der Schutz geographischer Angaben muss in diesem Zusammenhang ebenso gewährleistet sein.

Multilateralen Vereinbarungen im Rahmen der WTO sollte prinzipiell der Vorzug gegeben werden, weil sie einen besseren Interessensausgleich unterschiedlich entwickelter Länder gewährleisten, über einheitliche Regeln Vereinfachung bringen und Planungs- und Rechtssicherheit für die Unternehmen schaffen. Ein unregulierter Freihandel führt zu einseitigen Marktverwerfungen, die es zu vermeiden gilt. Kritisch, ja sogar ablehnend steht der Bauernverband auch der EU-Politik gegenüber Russland und den daraus resultierenden Folgen gegenüber.  Durch das Russlandembargo ist aus übergeordneten politischen Gründen ein wichtiger Absatzmarkt über Nacht weggebrochen. Derzeit tragen die Landwirte mit etwa eine Milliarde Euro jährlich einen großen Teil der wirtschaftlichen Folgen dieser politischen Verwerfungen. Europäische Kommission und Bundesregierung sind daher gefordert, politische Initiativen zur Lösung der Kontroverse mit Russland zu ergreifen, um die Handelsbeziehungen wieder zu normalisieren, heißt es in der Erklärung wörtlich.

Artikel bewerten
(4 Stimmen)