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Ifo-Studie

Deutschland erneut Exportweltmeister

Dienstag, 03 Februar 2015 03:51 geschrieben von 
Produktionslinie Produktionslinie Quelle: pixabay.com

München - Laut einer aktuellen Studie des Ifo-Instituts in München, verteidigte die Bundesrepublik auch im vergangenen Jahr ihren Platz als weltweit bester Exporteur.

Demnach stehe Deutschland mit einem Exportüberschuss von 285 Milliarden Dollar (rund 252 Milliarden Euro) noch weit vor China, die ein Plus von 150 Milliarden Dollar erwirtschafteten, und Saudi-Arabien mit einhundert Milliarden Dollar.

Wie die Berechnungen des Ifo-Instituts ergeben, entspricht der Überschuss in Höhe von rund 220 Milliarden Euro umgerechnet 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes – und damit 1,5 Prozent mehr als von der EU geduldet. Die Europäische Union droht bei einem Überschreiten des festgelegten Toleranzwertes von sechs Prozent der Wirtschaftsleistung mit Bußgeldern.

„Ich bin mir absolut sicher, dass die neuen Rekordzahlen wieder jede Menge Kritik an Deutschland nach sich ziehen werden, obwohl das überhaupt nicht gerechtfertigt ist“, erklärte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Deutschlands hohe Exportüberschüsse hatten schon in der Vergangenheit immer wieder scharfe Diskussionen innerhalb der EU ausgelöst. Zu unrecht, findet Krämer. Unsere Exporte stiegen vor allem deshalb so stark an, weil „made in Germany“ und die damit einhergehende Qualität in Osteuropa und Asien sehr beliebt seien.

Unsere Nachbarländer, vor allem die aus dem Süden, sehen das ein bisschen anders: Sie vertreten die Ansicht, Deutschland erkaufe sich seinen Ausfuhrerfolg auf Kosten der benachbarten Länder. So appellierte etwa Frankreich im Jahr 2010 bereits an die Bundesregierung, sie möge künftig lieber mehr im Ausland einkaufen, statt zu exportieren. Dies würde auch den schwächeren Nachbarn innerhalb der EU helfen. Vor knapp zwölf Monaten forderte die EU-Kommission die deutsche Regierung auf, zum Wohle der gesamteuropäischen Stabilität gegenzusteuern. Auch die US-Regierung und der Internationale Währungsfonds (IWF) rügten die deutsche Exportstellung. Länder mit hohen Überschüssen wie Deutschland seien Mitschuld an der Finanz- und Schuldenkrise, weil sie zum wachsenden Ungleichgewicht beitrügen.

Krämer als deutscher Ökonom beurteilt die Sachlage etwas differenzierter. Viele unserer europäischen Partner hätten zuletzt ihre Leistungsbilanzen reduziert. „Diese haben vorher über ihre Verhältnisse gelebt – das hat aber nichts mit Deutschlands Exporten zu tun.“ Man müsse zudem auch sehen, dass nicht nur der Export gestiegen ist, sondern auch der Import zunahm. Dies sei vor allem dem privaten Konsum im Land zu verdanken, der endlich wieder in Schwung gekommen ist.

„Das deutsche Wirtschaftsmodell wandelt sich allmählich, das trägt tendenziell zur Entspannung der Lage bei“, bestätigt auch der Ökonom der französischen Investmentbank Natixis, Johannes Gareis. Die privaten Haushalte profitierten demnach von den Lohnzuwächsen und dem stabilen Arbeitsmarkt und erhöhten die Nachfrage.

Nach den Ursachen des starken Exports befragt, erklärte der Ifo-Experte Steffen Henzel: „Eine Ursache für den Überschuss in der Leistungsbilanz ist die gute Konjunkturlage in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und Großbritannien. Zudem musste Deutschland wegen des Preisverfalls gegen Jahresende deutlich weniger für Öl-Importe bezahlen.“

Für das laufende Jahr prognostizieren die Experten sogar noch weiteren Anstieg: „Angesichts des niedrigen Ölpreises und einer weiter aufwärtsgerichteten Konjunktur in wichtigen Abnehmerländern außerhalb des Euroraums dürfte sich der Leistungsbilanzüberschuss noch erhöhen – auf rund 240 Milliarden Euro“, heißt es im Bericht. Ein Überschuss von acht Prozent des BIP sei nicht unwahrscheinlich.

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