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Berenberg Bank und HWWI einig

Deutschland ist Einwanderungsland Nummer eins - doch die Fachkräfte gehen woanders hin

Donnerstag, 04 September 2014 15:46 geschrieben von  Susanne Hagel
Logo Berenberg Privatbank Logo Berenberg Privatbank Quelle: berenberg.de

Hamburg - Laut einer aktuellen Studie des Hamburger Welt-Wirtschafts-Instituts und der Berenberg Bank sind es nicht die gut ausgebildeten jungen Spanier, Portugiesen und Griechen, die -wie so gern behauptet- nach Deutschland kommen, sondern vor allem Mittel- und Osteuropäer, die "früher nach Spanien und Italien gingen".

Die Studie untersuchte die Wanderungsbewegungen in der EU und deren Veränderungen in den vergangenen Jahren. Es zeigt sich, dass im Vergleich zum Jahr 2007, in dem im Saldo rund 40.000 Menschen in unsere Republik einwanderten, sich die Zahl 2013 verzehnfacht hat: 400.000 Einwanderer wurden im letzten Jahr verzeichnet. In Spanien zeigt sich dagegen ein umgekehrter Trend. Zählten diese 2007 rund 800.000 Zuwanderer, wurde 2013 sogar eine Abwanderung von 250.000 Menschen registriert. Griechenland, Portugal und Irland verzeichnen einen ähnlichen Bevölkerungsrückgang durch Abwanderung. Doch es ist nicht die einheimische Bevölkerung, die den Krisenländern entflieht, sondern vor allem die zuvor eingereisten Osteuropäer, die nun in andere Länder weiterziehen. Länder wie Deutschland.

Das bringt Probleme mit sich. Während in Spanien in der Boomphase vor allem Arbeitskräfte für die Bauindustrie benötigt worden seien, die nun in unser Land weiterziehen, benötigt Deutschland dagegen nahezu ausschließlich Fachkräfte für das produzierende Gewerbe oder Dienstleister mit guter Ausbildung. "Niedrig qualifizierte Arbeitskräfte, die meist in den Krisenländern arbeitslos geworden sind, lassen sich nur eingeschränkt in neue Jobs in stabileren Ländern umlenken", gibt auch Thomas Straubhaar, ehemaliger Chef des HWWI, zu Bedenken. Die Nachfrage nach Niedrigqualifizierten sei rückläufig, der Bedarf an Arbeitnehmern für "wissensintensive Dienstleistungen", der in Deutschland herrsche, könne damit nicht gedeckt werden. Die höherqualifizierten Auswanderer ziehe es hingegen, laut der Studie, eher nach Großbritannien oder in andere klassische Einwanderungsländer wie die USA oder Australien. Verglichen mit dem Ausbildungsstand dieser dort einwandernden Menschen, liege Deutschland weit hinter dem Trend. So seien Einwanderer in Großbritannien im Mittel jünger, besser ausgebildet und tendenziell eher aus städtischen Gebieten, während nach Deutschland eher Personen aus ländlichen Gebieten einwandern, die zudem älter und geringer qualifiziert sind. Die weit verbreitete Erkenntnis, dass vor allem junge, gut ausgebildete, in Deutschland händeringend benötigte Fachkräfte einwandern würden, sei demnach falsch, so die Studienbilanz.

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