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Bumerang für Deutschland

Die Bundesrepublik trägt den Boykott mit – und schadet deutschen Interessen

Mittwoch, 30 Juli 2014 20:46 geschrieben von  Jens Hastreiter
Öl Pumpe Öl Pumpe Quelle: pixabay.com

Berlin - Schnell war die EU mit ihrem Entschluß zur Hand, die Sanktionsschraube gegen Rußland weiterzudrehen. Auch Deutschland hat den Boykottbeschluß, nicht zuletzt auf maßgeblichen Druck aus Washington, mitgetragen. Deutschland dürfte von seinen Auswirkungen allerdings auch am meisten betroffen sein.

Derzeit finanziert Kapital aus der Bundesrepublik in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar insgesamt 6.200 Firmen in Rußland. Doch die Sanktionen gegen Moskau sollen nicht zuletzt gerade die Finanz-Ströme zwischen dem Westen und Rußland kappen – und das ginge unmittelbar zu Lasten deutscher Investoren.

Der Großteil des deutschen Kapitals in Rußland fließt gegenwärtig in die Energieförderung. Der deutsche Energiekonzern E.ON etwa hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert und hält knapp 84 Prozent am russischen Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Düsseldorfer Konzern ist auch mit 25 Prozent am sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas – an der Ukraine vorbei – von Rußland nach Deutschland fließt.

Der Chemiekonzern BASF mit seiner Tochter Wintershall ist am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, sogar zu 50 Prozent beteiligt. Außerdem ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. In Kooperation mit einer Tochter des russischen Erdölkonzerns Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter ist Eignerin von 50 Prozent Unternehmensanteilen.

Auch die Deutsche Bahn, weltweit ein Aushängeschild der deutschen Industrie, ist in Rußland gut aufgestellt. Sie ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Rußland vertreten. Vier davon sind glatte 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Rußland von China nach Deutschland organisiert, ist die Deutsche Bahn zu gut einem Drittel beteiligt. Unter Fachleuten ist es ein offenes Geheimnis, daß der Handel mit Rußland derzeit 300.000 Arbeitsplätze in Deutschland sichert – sie sind in Gefahr, wenn die EU mit ihren Sanktionen ernst macht.

Erklärtes Ziel der westlichen Boykottmaßnahmen ist es, vor allem den russischen Kapitalmarkt zu treffen, indem die Geldströme von West nach Ost unterbrochen werden. Hier verzeichnen die Maßnahmen bereits erste Erfolge. Nach Angaben der russischen Notenbank ziehen Investoren ihre Gelder aus Rußland ab. Im laufenden Jahr soll es sich dabei um eine Summe von bisher 75 Milliarden US-Dollar handeln, die außer Landes gebracht wurde.

Bis Jahresende, prognostiziert die Weltbank, könnten Investoren 150 Milliarden US-Dollar aus Rußland abziehen. Anleger auf den internationalen Finanzmärkten lassen sich maßgeblich durch Stimmungen leiten. Augenblicklich ist die Stimmung auf dem russischen Finanzmarkt schlecht – aber nicht wegen der realwirtschaftlichen Entwicklung, sondern ausschließlich wegen des strategischen Angriffs des Westens auf den russischen Kapitalmarkt.

Letzte Änderung am Freitag, 01 August 2014 17:49
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