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Vorsitzenderwechsel: Neue Strategie oder nur alter Wein im neuen Schlauch?

Die Deutsche Bank AG übt sich in Chaos

Montag, 08 Juni 2015 14:51 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
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Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank macht weiter Schlagzeilen, doch nach wie vor nicht mit erwähnenswerten Geschäftserfolgen, sondern wieder nur mit Skandalen und Personalpolitik. Ob es am Bekanntwerden eines ebenfalls strafzahlungsrelevantem sechs Milliarden Dollar schweren Geldwäscheskandals der Bank in Rußland lag oder dem mangelnden Rückhalt auf der jüngsten Hauptversammlung sei dahingestellt. Fakt ist, die Tage der Doppelspitze von Fitschen und Jain sind seit dem gestrigen Sonntag gezählt. Während Jürgen Fitschen bis zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt bleiben soll, um einen geregelten Führungswechsel zu ermöglichen, wird Anju Jains Rücktritt bereits Ende diesen Monats wirksam. Ab diesen Zeitpunkt wird dann der 54-jährige John Cryan bis zum Ausscheiden Fitschens als Co-Vorsitzender und darauffolgend als alleiniger Vorstandschef fungieren. Das Experiment Doppelspitze wird nach ca. drei Jahren wieder beerdigt. Nach angeblichen Informationen des Manager-Magazins soll Cryan einen Fünfjahresvertrag erhalten haben.

Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern nimmt die Deutsche Bank in Cryan´s Vita, der erst seit 2013 deren Aufsichtsrat angehört, keinen wesentlichen Anteil ein. Ob daraus auf eine strategische Neuausrichtung geschlossen werden darf, bleibt jedoch fraglich. Zum einen ist für die Deutsche Bank-Strategie nicht zuletzt der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner mitverantwortlich sowie auch der designierte neue Bankchef mit der wenig innovativen Aussage zitiert wird: "Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren." Dies klingt nicht nach einem Kurswechsel. Doch wenngleich auch Cryan die jüngsten bankenstrategischen Überlegungen im Aufsichtsrat mittrug, ist er immerhin hinsichtlich der Skandale um Zinsmanipulationen unbelastet. Und nicht allein mit Blick auf diverse Altlasten, wie die Bewältigung der Rechtsstreitigkeiten der Bank, sondern ebenso als Krisenmanager im Alltagsgeschäft dürfte Cryan über mehr Glaubwürdigkeit verfügen als es bei Jain zuletzt der Fall war. Diesbezüglich kommt ihm sein erfolgreiches Wirken von 2008 bis 2011 im Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS zugute, als er unter Beweis stellte, in der Lage zu sein, die Bilanz zu verkürzen und das Unternehmen aus einer Krise zu führen.

Seitens mancher Aktionärsvertreter wurde der Wechsel an der Deutsche Bank-Spitze begrüßt sowie nach all den negativen Meldungen der letzten Zeit auch anfängliche positive Börsenreaktionen nicht überraschen dürften. Doch für eine längerfristige und vor allem nachhaltige Kursentwicklung des Finanzinstituts wird sich erst Zeigen müssen, ob die Fortsetzung des voraussichtlich übernommenen Geschäftsmodell erfolgreich ist, bzw. inwiefern nicht vielleicht seitens der Marktteilnehmer auch personelle Änderungen hinsichtlich gewisser Strippenzieher aus dem Aufsichtsrat, allen voran betreffend Paul Achleitner selbst, erwartet werden. Nicht zuletzt bat der Aufsichtsrat den aus dem Amt scheidenden Jain bis Januar 2016 der Bank als Berater zur Verfügung zu stehen. Vielleicht war auch die kurz vor der jüngsten Hauptversammlung erfolgte Abdankung Reiner Neskes etwas verfrüht erfolgt…

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