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Mario Draghi hofft noch

Die EZB verschärft die Eurokrise

Dienstag, 26 August 2014 16:04 geschrieben von  Torsten Müller
EZB-Präsident: Mario Draghi EZB-Präsident: Mario Draghi Quelle: EZB

Frankfurt am Main - Die Politik des billigen Geldes und der angeworfenen Notenpresse hat die Eurokrise nicht lösen können – im Gegenteil! Sie hat sie verschärft und verzögert, auch wenn das so offensichtlich noch nicht bemerkt wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrer fahrlässigen Politik eine Entwicklung in Gang gesetzt, die das Zusammenbrechen der Euro-Zone schon sehr bald zur Folge haben könnte. Banken können sich derzeit im Rahmen der Politik des billigen Geldes refinanzieren und damit hochverzinsliche Staatsschulden der Krisenstaaten kaufen. Sollte nun eine Bank erneut ins Straucheln geraten, drohen auch den Staatsanleihen starke Verluste.

Beispielhaft dafür ist die portugiesische Banco Espírito Santo (BES), die pleite ging und damit eine Verkaufswelle an portugiesischen Staatsanleihen auslöste. Dies kann in der Folge ganz schnell weitere Bankenpleiten mit sich bringen und somit einen Teufelskreislauf auslösen.

Auch hat die Ankündigung des EZB-Präsidenten Mario Draghi, notfalls unbeschränkt Anleihen der Pleitestaaten zu kaufen, diese zu Spekulationsobjekten werden lassen. Vor allem Hedgefonds haben zinsgünstige Kredite in Dollar und Yen aufgenommen, um mit diesen Mitteln hochverzinsliche Staatsanleihen der südeuropäischen Krisenstaaten zu kaufen. Die derzeitige Schwäche des Euro führt nun dazu, dass diese riskanten Geschäfte zu Verlustgeschäften zu werden drohen. Sollte der Euro weiter fallen, kann dies ebenso zu einer gigantischen Verkaufswelle führen.

Realwirtschaftlich hat die EZB-Politik bisher total versagt. Unabhängig von den Folgen der fahrlässigen Eskalationspolitik gegenüber Russland, die weitere ökonomische Konsequenzen mit sich bringen wird, lassen viele Zahlen und Indikatoren die Skepsis wachsen. An den Aktienmärkten kann man bereits jetzt die massive Nervosität mit Händen greifen.

So schrumpfte die italienische Wirtschaft im vergangenen Quartal um 0,2 Prozent. Im Mai sind die deutschen Auftragseingänge um 1,6 Prozent und im Juni gar um 3,2 Prozent eingebrochen. Aufträge aus der Euro-Zone gingen sogar um über zehn Prozent zurück. Die deutsche Konjunktur-Lokomotive hat längst an Fahrt verloren.

Griechenland weist trotz Schuldenschnitt und mehrerer Rettungsschirme, vor allem auch durch deutsche Steuergelder finanziert, eine Schuldenquote von 175 Prozent auf – ebenso wie vor dem Ausbruch der Eurokrise.      

Die EZB hat die Eurokrise nicht entschärft, sie hat mit der Befeuerung hochriskanter Geschäfte dazu geführt, dass viele europäische Banken als tickende Zeitbomben gelten müssen. Genützt hat das nicht der Realwirtschaft und den in die Krise geratenen Staaten, sondern einzig und allein Spekulanten, die mit Wetten ihr Geld verdienen.

Letzte Änderung am Dienstag, 26 August 2014 16:23
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