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FinTech:

Digitalisierung in der Finanzwelt – Bankenplatz Deutschland nicht up to date?

Montag, 10 August 2015 18:41 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Logo der FinTech Group Logo der FinTech Group Quelle: © FinTech Group AG

Magdeburg - Die Digitalisierung schreitet in allen Bereichen unaufhaltsam voran, und die Gesellschaft ist gefordert, zu erkennen zu versuchen, wo sich Vorteile und wo sich die möglichen Nachteile lokalisieren lassen. Neben multimedialen Bildungskonzepten bestimmt aktuell auch die Debatte der Digitalisierung der Finanzwelt zunehmend die öffentliche Debatte, die dahingehend geführt wird, inwiefern der Finanzplatz Deutschland womöglich innovationsperspektivisch diesbezüglich ins Hintertreffen geraten könnte. Die Diskussion darüber kreist in erster Linie nicht um das interne IT-Management der klassischen Bankhäuser, sondern vielmehr um externe Dienstleister bzw. gar als Konkurrenz agierende Start-up-Unternehmen, die mit speziellen Produkten wie Kontoführungs-Apps und diversen digitalen Ablaufoptimierungen den Marktzugang suchen. Als subsumierender Fachterminus ist dabei von FinTechs in Politik, Wirtschaft und Medienbranche die Rede.

Einen Namen innerhalb der Wirtschaftsmedien konnten sich zum Beispiel Unternehmen wie Moneymeets, Vaamo oder auch Fidor machen. Der Einsatz von Venture Capital ist - wie nahezu allgemein - auch im FinTech-Bereich in Deutschland nicht vergleichbar zur international beobachtbaren Größenordnung. Von einigen US-Fintech-Investoren in Deutschland wurde berichtet, wobei allerdings keiner der großen Investoren bislang ein Engagement zeigte. Dies könnte unter Umständen sogar als Chance gesehen werden, daß deutsche potentielle Investoren sich den FinTech-Heimatmarkt sichern, allerdings ist eine diesbezügliche Investitionsneigung beispielsweise deutscher Banken kaum zu verzeichnen, da deren Anteil gerade einmal 7% an den FinTech-Investmens ausmachen soll. Im großen Stile und globalem Ausmaß sind allerdings Goldman Sachs und JP Morgan bereits in diesem Sektor investiert. In Bezug auf die Commerzbank wurde über deren Beteiligungstochter CommerzVentures (CV) von einem Engagement im mittleren siebenstelligen Bereich in Dollar gerechnet bei der 2012 in London gegründeten Iwoca berichtet, die Kurzfristkredite von bis zu 50.000 Euro an Selbstständige und Kleinunternehmer vergibt.

Von Frank Niehage, Vorstandschef der FinTech Group AG, war jüngst die Befürchtung geäußert worden, daß die Finanzmetropole Frankfurt ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte, wenn die dortige Finanzbranche nicht über ausreichend Kompetenzträger verfügt, die eine Kombination von IT- und Programmierqualifikationen wie auch Expertise im Bank- und Finanzwesen aufweisen würden. Niehage beklagt eine mangelnde kreative Offenheit für Start-ups in Frankfurt. Eine Veränderung wird dem Finanzplatz Frankfurt aller Voraussicht ohnehin bevorstehen. In einem Bericht der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale vom Dezember 2014 war zu lesen, daß die Banken ihre Mitarbeiterzahl in Frankfurt bis Ende 2016 um etwa 2% auf knapp über 60.000 Angestellte senken würden. Ob FinTech in dieser Entwicklung die bedeutende Rolle einnehmen könnte, sollte oder wird, ist vermutlich noch nicht zu Ende diskutiert, da neben den enthusiastischen Protagonisten auch schon nüchterne Töne zu vernehmen waren, die vor eine Blase im Bereich FinTech warnten.

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