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Unternehmenslandschaft:

DIHK konstatiert Gründungsmisere

Dienstag, 14 Juli 2015 20:46 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. Quelle: DIHK

Berlin - Das unternehmerische Gründungsgeschehen einer Region bzw. eines Landes wird unter anderem als ein Indikator für die Dynamik, Flexibilität und Innovationsfähigkeit gewertet. Und insbesondere für auf dem Wettbewerbsprinzip fußende marktwirtschaftliche Ordnungen besitzt das Gründungsgeschehen eine gewisse Bedeutung hinsichtlich der Entwicklungspotentiale eines Wirtschaftsraumes. Allerdings spricht die Deutsche Industrie- und Handelskammer inzwischen von einer Gründungsmisere und gibt damit einen denkbar schlechten Zustandsbefund ab. Demgemäß verzeichnen die IHKs bereits das vierte Jahr in Folge weniger Gespräche mit gründungswilligen Aspiranten. Nicht zuletzt liegt dem auch ein demographisches Problem zugrunde, da die vergangenen Jahre ein sukzessiver Rückgang der gründungsintensiven Alterskohorte zwischen 25 und 45 Jahren zu verzeichnen war. Die Kammer mißt jedoch der Gründungsentwicklung eine nicht zu vernachlässigende Relevanz für eine gesunde mittelständische Struktur der Wirtschaftslandschaft bei. Einzig im Bereich der IT-Start-ups war eine vergleichbar etwas ausgeprägtere Gründungsneigung zu beobachten.

Die Politik ist aus Sicht des DIHK gefordert, die Gründungsdynamik zu befördern, indem ein gezielter Bürokratieabbau erfolgt. Im Sinne eines Komplettberatungspaktes aus einem Guß plädieren die IHKs dafür, in allen Bundesländern Gewerbeanzeigen rechtsgültig bearbeiten zu dürfen. Dies entspräche, so der DIHK, dem Bedürfnis einer Vielzahl von potentiell Gründungswilligen. Vor allem müsse das Genehmigungsprozedere eine deutliche Beschleunigung erfahren. Von großer Bedeutung ist es in finanzierungsrechtlicher Hinsicht endlich die politische Ankündigungsrhetorik zu beenden und gesetzgeberisch im Wagniskapitalbereich tätig zu werden. Steuerrechtsmodelle, die eine Verlustberücksichtigung bei Investoreneinstieg und Anteilseignerwechsel ermöglichten, wären vielen Gründungsvorhaben förderlich. Doch auch weit vorher, bereits im schulischen Bereich gilt es, Gründungskompetenzen und Unternehmerqualifikationen zu vermitteln.

Allerdings ist ein Blick ausschließlich auf die Zahl von Unternehmensgründungen eine unter Umständen trügerische Kennzahl, da aus volkswirtschaftlicher Perspektive dies nichts über die Gründungsmotivation und die Nachhaltigkeit oder auch Arbeitsmarktrelevanz, sprich die Qualität der Gründungen, aussagt. Wobei diesbezüglich die Ausgestaltung des Förderwesens von Ausschlag ist, um weitgehend sicherzustellen, daß bei Fehlgründungen die Korrektur über einen funktionierenden Markt erfolgt und nicht eine Alimentierung seitens der Allgemeinheit ineffiziente Strukturen künstlich aufrecht erhält.

Letzte Änderung am Dienstag, 14 Juli 2015 20:59
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