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Niedrigzinsproblem:

DIHK-Umfrage: Pensionslasten behindern Investitionen

Montag, 27 Juli 2015 23:02 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. DIHK | Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V. Quelle: DIHK

Frankfurt am Main - Die betriebliche Altersvorsorge bereitet den Unternehmen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zunehmend Probleme und wirkt sich negativ auf die Investitionsfähigkeit aus. Dies bestätigen über 9000 Unternehmensantworten einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der feststellt, daß dieses Thema an Brisanz für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe zugenommen habe. Die Niedrigzinsphase weist eindeutig zwei Seiten der Medaille auf: der leichteren Bedienung fremdkapitalbasierter Finanzierung steht das Problem der Aufstockung der Pensionsrückstellungen gegenüber, die aufgrund des Ausbleibens der ursprünglich kalkulierten Verzinsung erforderlich werden. Gesamtwirtschaftlich ist jedes dritte Unternehmen in Deutschland derzeit mit diesem Problem konfrontiert. Nach der getätigten DIHK-Umfrage revidiert aufgrund dieser Kostenbelastung jedes zehnte Unternehmen seine Investitionspläne nach unten.

Da betriebliche Altersvorsorgeleistungen bei Großunternehmen und dem größeren Mittelstand überproportional verbreitet sind, sind folglich diese entsprechend häufiger betroffen. Die Sonderauswertung des DIHK ergab folgendes Bild: 71 % der antwortenden Unternehmen ab 1000 Beschäftigten müssen ihre Vorsorge erhöhen, ebenso wie 58 Prozent der Unternehmen mit 200 bis 1000 Mitarbeitern. Aber selbst kleinere Unternehmenseinheiten zwischen 20 bis 200 Angestellten müssen zu 31 % zusätzliches Kapital für Rückstellungen aufwenden sowie selbst Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger 20 Beschäftigten noch zu 19 % betroffen sind. Produktivitätsfortschritt und Innovationskraft erfahren im Zuge dieser investitionshemmenden Entwicklung zwangsläufig ebenso eine Beeinträchtigung. Neben dem sinkenden Eigenfinanzierungspotential für Investitionen wird aber auch - im Gegensatz zur o.g. Bedienung - der Zugang zur Fremdfinanzierung erschwert, indem sich mit steigenden Rückstellungen der Fremdkapitalanteil der Bilanz auf der Passivseite vergrößert, womit die Eigenkapitalquote und weitere ratingrelevante Bilanzrelationen eine Verschlechterung erfahren.

Eine erhebliche Verschärfung des Problems der ohnehin negativen Auswirkungen der Niedrigzinsen erfahren deutsche Unternehmen noch durch eine Steuergesetzgebung, die eben diese Kosten zusätzlicher Rückstellungen - um eine Einhaltung der Gewährleistung der Pensionszusagen einhalten zu können - als Gewinn  behandelt und einer dementsprechenden Besteuerung unterwirft. Allein mittelständische Unternehmen haben seit 2008 bereits mehr als 500 Millionen Euro an Steuern auf derartige  faktisch als Kosten auftretende Gewinne gezahlt. Der DIHK hält eine Gewinnbesteuerung auf steigende Pensionsrückstellungen nicht nur schädlich für den Wirtschaftsstandort Deutschland, sondern auch nicht vereinbar mit den Grundprinzipien deutschen Steuerrechts und fordert die Anpassung des Steuerrechts an die Realität der Niedrigzinsen aktuell als eine der wichtigsten steuerpolitischen Maßnahmen.

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