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Aus „ethischen Erwägungen“

DM verlagert Vorzeigeprojekt von Augsburg nach Indien

Samstag, 15 November 2014 17:41 geschrieben von  Susanne Hagel
Logo der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG Logo der dm-drogerie markt GmbH + Co. KG Quelle: dm.de

Magdeburg - 2012 kündigte die Drogeriemarktkette dm an, seine Bio-Baumwolltaschen künftig nicht nur nachhaltig, sondern auch besonders sozial produzieren zu lassen: in einem Augsburger Unternehmen, welches ausschließlich Menschen einstellt, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance habe. Nun wurde bekannt, dass dm seine Produktion klammheimlich nach Indien verlagert hat.

Die Bloggerin Pia Drießen fand mittels eines sogenannten Pfad-Finder heraus, dass ihre neue Tasche komplett in Indien hergestellt wird und nicht wie vom Unternehmen bisher beworben in der Augsburger Firma der Unternehmerin Sina Trinkwalder „manomama“. Die Leitung der Drogeriemarktkette hat den Vorwurf mittlerweile bestätigt und eingeräumt, einen Teil der Taschenproduktion neuestens in Indien herstellen zu lassen. Manomama-Chefin Trinkwalder selbst, zeigte sich von dieser Meldung überrascht. Sie habe davon erst durch den Artikel der Bloggerin erfahren, die die Ähnlichkeit der indischen Tasche zur deutschen Variante scharf kritisierte. Die neuen Taschen seien bereits im Handel. Trinkwalder wolle nun zunächst den Dialog mit dm suchen, bevor sie sich weiter zur Sache äußere, sagte sie.

In ihrer Textilmanufaktur beschäftigt sie ausschließlich Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke und Leiharbeiter. 2012 begründete dm die Wahl von manomama ausdrücklich mit dem Produktionsstandort in Deutschland: „Uns hat überzeugt, dass innerhalb einer regionalen Wertschöpfungskette produziert und dass Menschen ein Wiedereinstieg in den Beruf ermöglicht wird.“ Derzeit hängen rund die Hälfte der 150 Arbeitsplätze in Trinkwalders Firma von der dm-Kette ab.

Dm begründet seine Entscheidung für die Verlagerung der Produktion in einer Presseerklärung von Firmenchef Christoph Werner, Sohn des Gründers Götz Werner, mit „ethischen Erwägungen“. Zwar beziehe man auch weiterhin einen Teil der Taschen aus Augsburg, „denn wir legen Wert darauf, dass die Produktion bei manomama fortgeführt werden kann, weil Produktionsbedingungen und Qualität unseren Anforderungen entsprechen“, dm habe aber darüber hinaus auch weitere Ansprüche an seine Produkte. So wolle man „neben der Schaffung von Arbeitsplätzen in Deutschland“ berücksichtigen, dass Menschen in Indien nicht nur „Baumwolle pflücken, sondern auch in Eigenregie die Fertigung von Waren durchführen, die hier in Europa benötigt werden.“ Man habe bereits gute Erfahrungen bei der Produktion von Babytextilien und Kinderbekleidung in Entwicklungsländern gemacht und achte dabei auf korrekte Produktionsbedingungen. So trügen die Indien produzierten Taschen das GOTS-Siegel, welches Produkte kennzeichnen, welche „höchsten ökologischen und sozialen Kriterien“ gerecht würden. Zur Frage, warum die Umstellung dann so klammheimlich geschah und die Taschen denen in Deutschland zum Verwechseln ähneln, bemerkte Werner pragmatisch: „ Das aktuelle Design ist bei unseren Kunden am beliebtesten.“ Inwieweit sich die Produktionskosten in Augsburg und Indien unterscheiden, blieb indes offen.

Die Kunden der gerade wegen ihres sozialen Engagements so beliebten Drogeriemarktkette reagierten empört. Bei Twitter gebe es bereits einen Hashtag #Taschengate und auf Facebook laufen hitzige Diskussionen.

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