www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Kommen die geprellten Anleger doch noch glimpflich davon?

Dr. Thomas Schulte und Dr. Stefan Lohr setzen sich für Geschädigte der LEO ONE / Thormann Capital ein

Donnerstag, 21 Mai 2015 14:19 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Dr. Thomas Schulte & Partner Dr. Thomas Schulte & Partner Quelle: Dr. Thomas Schulte, Berlin

München – Die Pleite der Thormann Capital GmbH führt einem vor Augen, in welchem Desaster dubiose Investments am grauen Kapitalmarkt enden können. Die Gesellschaft, benannt nach dem Geschäftsführer und Inhaber Michael Thormann, bot Anlegern an, mit sogenannten Nachrangdarlehen in grüne Energie zu investieren. Hervorgegangen war Thormann Capital einst aus der LEO ONE Investment GmbH, die Anfang 2012 den Kunden der seinerzeit in Schieflage geratenen Swiss Asset Management Group AG (SAM AG) als Rettung angepriesen wurde. Am Ende entpuppte sich alles als fortgesetztes Vabanque-Spiel, das in der Insolvenz mündete. Doch durch das Wirken der engagierten Verbraucherschutzanwälte Dr. Thomas Schulte (Dr. Schulte und Partner, Berlin) und Dr. Stefan Lohr (Haiges Hermann Anderson LLP, München) besteht für die geprellten Anleger wieder Hoffnung, nochmal mit einem blauen Auge davonzukommen.

Das Unheil nahm seinen Anfang im Januar 2012, als den Swiss-Asset-Management-Kunden in einem Schreiben mitgeteilt wurde, dass aus der SAM AG bzw. deren Tochtergesellschaft BestLife Select AG die LEO ONE Investment GmbH geworden sei. Die Anleger wurden darin aufgefordert einer Schuldübernahme durch die LEO ONE zuzustimmen. Wenige Monate später wurde mit der Liquidation der SAM AG begonnen. Obwohl sich das Geschäftsmodell der SAM AG als unzureichend erwiesen hatte, wurde bei LEO ONE nach derselben Methode weitergemacht. Besonders übel: Viele Anleger, die eigentlich einen Vertrag mit der SAM AG abschließen wollten, gerieten unbemerkt zur LEO ONE.

Schon kurze Zeit später, im September 2012, wurde die LEO ONE an den Starnberger Kaufmann Michael Thormann verkauft und firmierte seitdem unter Thormann Capital. Geschäftsführer war bis dahin Michael Hollenbach. Es handelte sich bei der neuen Firma laut Aussage der Verantwortlichen um eine von der SAM AG eigenständige Gesellschaft, die in regenerative Energieprojekte investiert. Viele Kunden erhofften sich nun eine Verbesserung der Lage. Das traf leider nicht zu, denn mit der neuen Gesellschaft kamen auch neue Probleme. Bereits im März 2013 teilte die Thormann Capital GmbH ihren Anlegern mit, dass sie sich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten gezwungen sehe, die Zinsausschüttungen einzustellen. Man habe zum Zeitpunkt der Übernahme von LEO ONE keine Bilanzen oder andere aussagekräftige Informationen erhalten und müsse nun von einer eigenen Steuerberatungsgesellschaft alle Vorgänge seit Unternehmensgründung prüfen und beurteilen lassen. Ob die vorhandenen Assets werthaltig genug seien, um daraus die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Anlegern zu bedienen, könne man daher nicht so genau sagen.

Wörtlich hieß es in dem Schreiben: „Die bis zur Übernahme getätigten Investments passen in ihrer Form, Struktur und Ausschüttung nicht mit den abgeschlossenen Kundenverträgen und deren Produktvarianten zusammen. Das bedeutet, dass aus den Assets (Anlagen) nicht genug Liquidität erzeugt wird, um damit die versprochenen monatlichen bzw. jährlichen Anlegerausschüttungen bedienen zu können. Was wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beurteilen können, ist die Werthaltigkeit der getätigten Assets.“ Mit anderen Worten: Die Investitionen warfen nicht so viel Gewinn ab, um die Anleger mit regelmäßigen Ausschüttungen zu bedienen.

Im Nachhinein ist klar, dass LEO ONE bereits zum Zeitpunkt ihrer Übertragung an Thormann Capital erheblich vorbelastet war. Rechtsanwalt Kim Oliver Klevenhagen von der mit dem Fall befassten Berliner Kanzlei Dr. Schulte und Partner erklärte dazu: „In der Buchführung fanden sich Ausgaben mit hohem Unterhaltungswert wie Golfturniere und exklusive Events mit Schönen und Reichen mit schönen und teuren Kraftfahrzeugen. Zudem sollte die Firma Thormann Capital als deutsche Nachfolgekonstruktion gelten, nachdem die Schweizer Finanzaufsicht die SAM Management AG kurzfristig vom Markt genommen hatte. Damit blieben weitere Lösungsansätze in den Anfängen stecken, beziehungsweise erübrigten sich.“

Es kam, wie es kommen musste: Im Juni 2013 eröffnete das Amtsgericht München das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Thormann Capital GmbH und bestellte Ivo Meinert Willrodt zum Insolvenzverwalter. Sowohl Willrodt als auch die Verbraucherschutzanwälte Dr. Thomas Schulte und Dr. Stefan Lohr vertreten die Ansicht, dass im nun angestrebten Insolvenzplanverfahren nach § 217 InsO die Geltendmachung von Ansprüchen nur im Rahmen einer Geschädigtengemeinschaft sinnvoll ist, also eine große Anzahl von Gläubigern dem Verfahren grundsätzlich beitritt. Bei einem Insolvenzplanverfahren ist keine Zerschlagung, sondern eine Sanierung des Unternehmens unter Aufsicht des Gerichts und unter Einbeziehung der Gläubigergemeinschaft vorgesehen. Der große Aufwand des Unterfangens lohnt sich aber nur, wenn vorab sichergestellt ist, dass das Ziel juristisch seriös erreicht werden kann, wofür eben gegenüber dem Insolvenzverwalter nachzuweisen ist, dass eine entsprechend große Gruppe von geprellten Anlegern mitmachen will. Geplant ist in diesem Zusammenhang offenbar, eine Biogas-Anlage der Biogas Gut Schwaben GmbH und Co. KG in das Eigentum der Anleger zu überführen.

Das Nachrichtenportal DERFFLINGER (www.derfflinger.de) berichtete kürzlich, dass Rechtsanwalt Dr. Stefan Lohr hier einen guten Ansatzpunkt sieht, um den geschädigten Anlegern der insolventen Thormann Capital GmbH zu ihrem Recht zu verhelfen oder zumindest einen Teil ihres eingesetzten Vermögens zu retten. Auch Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte sieht neue Chancen. In einer Pressemitteilung erklärte er unlängst: „Es ist notwendig, im Kreise des Vertriebes des Produktes und auch bei dem Endkunden Werbung zu machen. Wer jetzt nichts tut und sich nicht bewegt, verliert vermutlich eine ganze Menge Geld, besonders hart wird es die treffen, die dadurch ihre Altersvorsorge verlieren werden. Wichtig ist es, jetzt diejenigen Vertriebskräfte und Personen im Hintergrund zu unterstützen, die an einer konstruktiven Lösung mit Nachhaltigkeit arbeiten. Oberstes Ziel ist es, über einen überschaubaren Zeitraum durch qualifizierte juristische und technische Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die betroffenen Geldanleger sowie alle anderen aus dem Insolvenzverfahren im Wesentlichen schadensfrei herauskommen.“

Es bleibt zu hoffen, dass den Aufrufen von Dr. Lohr und Dr. Schulte möglichst viele Gläubiger folgen, damit die ganze Sache noch zu einem einigermaßen guten Ende gebracht werden kann. Anlegern ist grundsätzlich zu empfehlen, von Nachrangdarlehen, wie sie Thormann Capital angeboten hat, die Finger zu lassen, da im Falle einer Insolvenz der Investmentgesellschaft ihre Ansprüche eben nur nachrangig bedient werden, also hinter die Ansprüche aller anderen Gläubiger zurücktreten. Zeichner solcher Papiere werden gewissermaßen haftende Gesellschafter und nehmen damit am Gewinn oder eben am Verlust des Unternehmens teil.

Artikel bewerten
(7 Stimmen)