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Kreisbauerntag:

Dramatische landwirtschaftliche Lage!

Donnerstag, 04 Februar 2016 03:03 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Logo des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Logo des Deutschen Bauernverbandes (DBV) Quelle: de.wikipedia.org

Rosenheim – Trotz der diversen volks- und weltwirtschaftlichen Sollbruchstellen geben viele Branchen in Deutschland auch für 2016 eine allgemeine Wachstumsprognose ab. Inwieweit diese durch nachträgliche Korrekturen eines Besseren belehrt werden, wird sich zeigen. Zu denken geben sollte jedoch, wenn der landwirtschaftliche Bereich gleich zu Jahresbeginn eine trübe Aussichtslage zeichnet. Eine Nation ist gut beraten, auch in Zeiten, in denen die wirtschaftlichen Debatten von digitaler Offensive und Industrie 4.0 dominiert werden, dem sprichwörtlich bodenständigen Sektor als einem nicht unerheblichen Fundament die gebührende Aufmerksamkeit zuzumessen. In der Branche ist nicht erst seit gestern von einer sogar als dramatisch bezeichneten schlechten Lage die Rede. Diese Situation scheint sich nach Ansicht der Landwirtschaftsvertreter unverändert weiter fortzuschreiben, wenn nicht gegensteuernde Maßnahmen ergriffen werden, bei denen die Politik gefragt ist.

Preisrückgänge, die sich verfestigten, schlugen inzwischen auf die Finanzierungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe durch und drohen das seit Jahren zu beobachtende Bauernsterben zu beschleunigen. Im vergangenen Wirtschaftsjahr sind die Einkommen der deutschen Bauern im Durchschnitt um 35 % zurückgegangen und nach augenblicklicher Einschätzung wird von einem weiteren Einkommensrückgang von mindestens 20 % ausgegangen, was nichts anderes hieße, als dass binnen nur zweier Jahre die deutschen Landwirte mit einem Einkommensverlust um mehr als die Hälfte konfrontiert wären. Dies schlägt sich auch bereits im Investitionsverhalten nieder, wodurch andere Wirtschaftszweige in Mitleidenschaft gezogen werden. Laut Konjunkturbarometer Agrar für das erste Halbjahr 2016 sanken die Investitionen auf 50 % des Vorjahres.  Insbesondere bei den Schweinehaltern und den Milchbauern nehmen die Erlösrückgänge dramatische Ausmaße an. Joachim Ruckwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), richtete daher auf dem Kreisbauerntag am 02. Februar in Rosenheim einen deutlichen Appell nach Berlin und Brüssel.

„Die finanzielle Lage der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich durch die anhaltend niedrigen Erzeugerpreise in fast allen Agrarmärkten krisenhaft verschlechtert. Infolge der anhaltenden Erlöseinbrüche haben die Liquiditätsengpässe zugenommen. Da Marktexperten für die kommenden Monate keinerlei Trendwende in der wirtschaftlichen Entwicklung und bei den landwirtschaftlichen Rohstoffpreisen erkennen können, müssen Bundesregierung und EU kurzfristig weitere Maßnahmen zur Unterstützung und Überbrückung der schwierigen Einkommens- und Erlössituation unserer Bauernfamilien beschließen“, umriss der Bauernverbandspräsident die Gesamtlage in Rosenheim. Rukwied schlug Entlastungsmaßnahmen im steuerlichen Bereich, wie beispielsweise eine Erhöhung des steuerlichen Freibetrages vor, sowie ein zweites Programm zur Überwindung von Liquiditätsengpässen, das jedoch durch mehr Praxisnähe eine größere Wirksamkeit aufweisen müsse. Darüber hinaus betonte Ruckwied, dass die  Einführung der Risikoausgleichsrücklage, die der Bauernverband seit Jahren fordert, grundsätzlich die Liquidität der Betriebe in Jahren mit betrieblichen Verlusten verbessern würde.

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