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Banken 2016:

Dramatisches Jahr 2015 und keine „Atempause“ in 2016!

Donnerstag, 21 Januar 2016 15:35 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Banken 2016: Dramatisches Jahr 2015 und keine „Atempause“ in 2016! Banken 2016: Dramatisches Jahr 2015 und keine „Atempause“ in 2016! Bild: PIXABAY.COM

Berlin – Auf dem Neujahresempfang vor Journalisten in Berlin hat Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, die wichtigsten Herausforderungen für den Bankensektor im Jahr 2016 skizziert und insbesondere das Thema Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Banken angesprochen. Dabei wurde das Bild eines dramatischen und einschneidenden Jahres 2015 gezeichnet, verbunden mit einem Ausblick auf 2016, das aufgrund der nicht bewältigten Herausforderungen des letzten Jahres - so wörtlich – keine „Atempause“ gönnen werde. Geopolitische Krisen wie auch Friktionen innerhalb der EU belasten das Wirtschaftsklima.  Unsichere Regierungsbildungen in Südeuropa, Reformstau in Frankreich, anhaltende Schwierigkeiten in Griechenland, militärische Auseinandersetzungen im Mittleren Osten und die ungelöste Flüchtlingskrise ließen die Banken nicht unberührt und schließen ein „Business as usual“ aus. Die Wettbewerbssituation der Banken in Deutschland wird von der Branche als zunehmend schwieriger eingestuft.

Im verstärkt digital werdenden Wettbewerb sind die Banken gefordert, die "elektronische Industrialisierung" aktiv mitzugestalten und ihre Geschäftsmodelle und Prozesse fortlaufend an technische Innovationen anzupassen. Für das digitale Bezahlverfahren „paydirekt“ gilt dieses Jahr insofern als Bewährungsprobe, ob es gelingen wird, das Händlernetz signifikant auszubauen. Die FinTech-Unternehmen sind nicht nur Wettbewerber, sie sind auch Mitstreiter und Partner, wenn es darum geht, Innovationen im Markt mit voranzutreiben, weshalb sich auch der Bankenverband für diese geöffnet hat. Zur Bankenregulierung äußerte Kemmer aus Wettbewerbssicht, dass Regulierung sicherer, aber auch langsamer mache. Für die deutschen Institute wird es zunehmend schwerer, mit ihren Konkurrenten in Europa und vor allem den USA mitzuhalten, beklagt Kemmer. Der Bankenverband erkennt die Notwendigkeit gewisser Regulierungsvorhaben an, solange die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Kreditsektors nicht aufs Spiel gesetzt werde.

Regulierungsmaßnahmen dürften einer Stärkung der Kapitalbasis nicht entgegenstehen, fordert die Branche. Als maßgeblich die Bankenlandschaft beeinflussende Vorgaben für dieses Jahr gelten Basel IV, das Thema Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch und die Leverage Ratio, wobei Kemmer mit Blick auf die Gesamtwirtschaft darauf hinwies, dass das  Angebot an Langfristkrediten möglicherweise zurückgehen wird. Die kumulativen Auswirkungen der EU-Finanzmarktregulierung müssten mittels einer umfassenden Auswirkungsstudie auf überfordernde oder widersprüchliche Regulierung überprüft werden. Nicht direkt von EZB beaufsichtigte Institute dürfen nicht denselben hohen Anforderungen unterliegen wie international agierende Großbank, ansonsten droht Überforderung. Daher wichtig, dass bezüglich der Aufsicht der Grundsatz der Proportionalität noch stärker als bislang berücksichtigt werde.

Die Niedrigzinsen - ein Indiz für einen wirtschaftliche labilen Euro-Raum - stellen eine Belastung für die Sparer und Anleger dar, aber eben auch für die Banken. Im Ergebnis führt das Niedrigzinsumfeld zu einem Rückgang des Zinsüberschusses. Aufgrund der hohen Bedeutung der Zinseinnahmen sind die deutschen Kreditinstitute hiervon besonders betroffen. Hinzu kommen Altlasten in zahlreichen nach wie vor nicht bereinigten Bilanzen, weshalb das europäische Einlagensicherung im Augenblick kein Thema sein darf. Die in den Bankensektoren bestehenden Risiken müssen erst deutlich reduziert werden, ehe eine gemeinsame Einlagensicherung tatsächlich errichtet werden dürfte. Auch die Anfang Dezember verkündete Ausweitung des Ankaufprogramms von Staatsanleihen stößt auf die Kritik des Bankenverbandes, da sie weder einen stabilitätspolitischen Beitrag leistet, noch das Wachstum ankurbeln. Allerdings birgt sie die Gefahr von Vermögenspreisblasen, falschen Risikopreisen und einer Fehllenkung von Investitionen.

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