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Mario Draghi ersinnt Europäische "Bad Bank"

Droht nun Schrottpapierkauf durch EZB?

Mittwoch, 17 September 2014 22:06 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
EZB-Präsident Mario Draghi EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: EZB

Frankfurt am Main - Die EZB-Politik hat zwar in Bezug auf die europäische Staatsschuldenkrise bislang nicht wesentlich mehr erreicht, als den südeuropäischen Pleitestaaten, wie beispielsweise Portugal oder allen voran Griechenland die Platzierung weiterer Staatsanleihen, sprich die Fortsetzung ihrer Schuldenpolitik zu ermöglichen, doch holt sie dennoch erneut zu einer großen Finanzmarktrettungsaktion aus, um die Bankbilanzen, die sie eben erst in Folge ihrer sog. „Streßtests“ sichtete, zu entlasten. Offenbar war das, was man dabei zu Gesicht bekam so wenig sehenswürdig, daß man sich zu weiteren bankenpolitischen Sanierungsprogrammen genötigt sah, wenngleich doch Sinn und Zweck der wie Sauerbier angepriesenen europäischen Bankenunion nicht permanente Rettungsaktionen, sondern geordnete marktgerechte Abwicklungen sein sollten. Vermutlich ist Letzteres aber aller Ankündigungsrhetorik zum Trotz nicht so einfach, nachdem versäumt wurde, die „too big to fail“-Systemrelevanz durch Schaffung kleinerer Einheiten zu beseitigen. Hat sich also zu 2008 nichts geändert, mit Ausnahme, daß ein Großteil des Pulvers für Rettungsmaßnahmen verschossen wurde?

Als Mario Draghi jüngst das ABS-Ankaufprogramm der EZB avisierte, legte er noch Wert auf die Feststellung, daß verbriefte Kredite nicht zwangsläufig schlecht sein müßten. Grundsätzlich nicht falsch, aber er äußerte sich eben nicht zu den Qualitätsansprüchen, die die Zentralbank zu stellen gedenkt bzw. inwiefern die EZB überhaupt über institutseigene Ratingkompetenzen verfügt. Nun war ersten Medienberichten zu vernehmen, daß die EZB allein aufgrund der schieren Größenordnung des geplanten Ankaufprogramms von mindestens (!) einer halben Billion Euro wohl auch auf relativ risikobehaftete Verbriefungen zurückgreifen wird, die selbst die für bisherige Pfandhinterlegungen für Bankendarlehen nötige Bonität von zumindest „A-“ unterschreiten. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Sicherheitsleistung übernimmt die EZB bei Ankäufen jedoch ein unmittelbares Ausfallrisiko. Dieses Programm mag zweifellos die Bankbilanzen entlasten, führt aber auch dazu, daß die wohl in erster Linie innerhalb der Euro-Zone als systemrelevant eingestufte Zentralbank selbst zur sog. „Bad Bank“ wird, wohin sämtliche Subprime-Papiere ausgelagert werden. Die in Rede stehenden Kredite an sich werden jedoch dadurch in ihrer Qualität nicht besser und über die Verkettung von Ausfallwahrscheinlichkeit, in dessen Folge Gewinneinbußen bzw. gar Verluste und deren Aufteilung auf die Nationalhaushalte betrifft es mittelbar wieder den Steuerzahler, der doch gemäß Mantra der selbsternannten europäischen Krisenmanager auf dem politischen Parkett durch die Güte ihres Handelns künftig Schadlos gehalten werden solle...

Anfang Oktober will die Notenbank voraussichtlich nähere Angaben zum vorgesehenen ABS-Ankaufprogramm verkünden – und an ihren Taten möge man sie messen!

Letzte Änderung am Donnerstag, 18 September 2014 02:36
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