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Chemische Industrie:

Durchwachsene Halbzeitbilanz für Deutschlands drittgrößte Branche!

Donnerstag, 23 Juli 2015 18:53 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Chemieproduktion Chemieproduktion Quelle: PIXABAY.COM

Magdeburg - Deutschlands drittgrößte Wirtschaftsbranche zieht 2015 eine durchwachsene Halbjahresbilanz, folgt man der aktuellen Mitteilung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). Laut eigenem Bekunden vertritt der VCI die wirtschaftspolitischen Interessen von mehr als 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne, womit er mehr als 90 % der deutschen Chemie repräsentiert. 444.800 Arbeitnehmer finden derzeit in dieser Branche Beschäftigung. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres stieg zwar die Produktion um ein Prozent, dennoch - so VCI-Präsident Dekkers - fehlten nachhaltige Impulse von der Weltwirtschaft. Während die Abwertung des Euro die Exporte nach Übersee beflügelte, blieb die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen im Inland verhalten. Trotz gestiegener Produktionsmenge konnte die Chemie ihren Gesamtumsatz nur um 0,5 Prozent ausweiten, wobei der Inlandsumsatz preisbedingt sogar um 1,5 % sank.

Bedingt durch Wechselkurseffekte brach der Export in den westeuropäischen Raum um 0,5 % ein, wohingegen  die Verkäufe nach Übersee eine deutliche Steigerung verzeichnen konnten. Noch war immerhin gegenüber dem Vorjahr ein einprozentiger Anstieg der Arbeitsplätze in der Branche zu verzeichnen. Doch investiert die deutsche Chemie zunehmend im Ausland, was laut verbandseigener Erhebung nicht allein im Interesse einer Markterschließung geschieht, sondern auch wegen niedrigerer Kosten, wie es beispielsweise für zwei Drittel der Investitionen in den USA zutrifft. Insgesamt gehen ein Drittel der Auslandsinvestitionen in die europäischen Nachbarländer. Seit 2012 überwiegen die Investitionen ins Ausland gegenüber den Inlandsinvestitionen.

Gemäß VCI wirkt sich das Kostenargument hinsichtlich Investitionsentscheidungen auf den Mittelstand der chemischen Industrie spürbar aus. Während bis 2008 die Investitionsneigung kleiner und mittlerer Unternehmen stetig anstieg, werden seitdem zunehmend potentielle Investitionen zeitlich aufgeschoben. Eine Betrachtung über einen längeren Zeitraum zeigt, daß sich binnen der vergangenen 25 Jahre  die Investitionen der deutschen Chemie in Produktionsanlagen und Gebäude im Ausland zwar verdoppelt haben, jedoch über den selben Zeitraum hinweg im Inland stagnieren, sprich preisbereinigt sinken. Mit einer signifikanten Verbesserung der Geschäftslage für die chemisch-pharmazeutische Industrie in der zweiten Jahreshälfte rechnet der Verband nicht. Hierfür ermangle es an dem nötigen Rückenwind für Innovationen, wozu allerdings bereits viele Vorschläge auf dem Tisch lägen. Beispielsweise die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung und eines Wagniskapitalgesetzes. Auf europäischer Ebene hält der VCI ein Innovationsprinzip für sinnvoll, das dafür sorgt, daß Regulierungen auf ihre Folgen für die Innovationskraft der Wirtschaft geprüft werden.

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