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Branchenbericht Chemie

Energiepolitik ist Achillesferse der Wettbewerbsfähigkeit!

Dienstag, 09 Februar 2016 22:31 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Chemieanlagen Chemieanlagen Bildquelle: PIXABAX.COM

Frankfurt a. M. – Der neue „Branchenbericht Chemie" der Commerzbank untersucht die aktuelle Position der chemischen Industrie, erläutert ihre Stärken und Schwächen und gibt Einblick in ihre Absatzmärkte, etwa die Schwellenländer und China. VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann ergänzte den „Branchenbericht Chemie" der Commerzbank aus Sicht des Verbandes, wobei er dabei auf die enge Verknüpfung zwischen Pharma-Sparte, Spezial- und Basis-Chemie hinwies und die Erfolgsfaktoren der Branche in Deutschland benannte. Als solche führte er die zentrale Rolle im Netzwerk der Industrie, eine hohe Innovationskraft, einen starken Mittelstand, die Energie- und ressourceneffiziente Produktion sowie die Ausrichtung der Produktstrategie auf Megatrends und Nachhaltigkeit als die fünf wesentlichen Aspekte an. Als Achillesferse für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche bezeichnete Tillmann jedoch die Energiepolitik.

Die Analyse der Commerzbank decke sich in weiten Teilen mit der Einschätzung des VCI, jedoch sei der Blickwinkel nicht völlig deckungsgleich, ließ der Verbandssprecher die Öffentlichkeit wissen. Der Bericht der Commerzbank konzentriert sich in der Analyse auf die Chemie als solche. Die Verbundstruktur in der chemischen Industrie in Deutschland macht es aber erforderlich, die Pharma-Sparte einzubeziehen. Ohne die Produkte der Basis-Chemie würden Pharma- und Spezialchemie in Deutschland schwieriger an Rohstoffe gelangen. Erfolgsgrundlage ist für die Branche ihre Ausrichtung der Produktstrategie auf Megatrends, die somit in engem Zusammenhang mit der Innovationsfähigkeit steht. Die deutsche Chemie erzielt zwar 20 % ihres Umsatzes mit Produkten, die jünger als fünf Jahre sind. Das erforderte aber hohe Forschungsaufwendungen, beispielsweise 10,4 Mrd. € allein im letzten Jahr. Zudem forcieren Asien, China, Indien und Korea massiv den Ausbau von Forschung und Wissenschaft, was sich darin niederschlägt, dass inzwischen bereits 40 % aller chemischen Erfindungen aus Asien kommen. Brancheninternen Studien zufolge müssen die Unternehmen ihre Innovationskraft steigern, indem beispielsweise interne Hemmnisse für Innovationsprozesse ausgeräumt und die Innovationskultur verbessert werden.

Vor allem aber ist es erforderlich, dass ein diesbezüglich mittelstandsgerechter politischer Rahmen geschaffen wird, da mehr als 90 % der Chemieunternehmen weniger als 500 Beschäftigte aufweisen, allerdings die rund 1.850 kleinen und mittleren Unternehmen weit über ein Drittel der Arbeitsplätze in der Branche stellen. Der Mittelstand trägt mit 57 Mrd. € im vergangenem Jahr fast ein Drittel zum Gesamtumsatz der Branche bei. Einen derart leistungsstarken Mittelstand in der Chemie gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Nach wie vor stellen die Energiekosten einen wichtigen Faktor im globalen Standortwettbewerb dar. Häufig wechselnde energiepolitische Vorgaben und unzählige staatliche Eingriffe in den Energiemarkt erzeugen eine anhaltend hohe Planungsunsicherheit in den Unternehmen und damit Zurückhaltung bei Investitionen. Obwohl Strom in Deutschland rund 50 % und Gas rund 200 % teurer sind als in den USA, liegen die Energiestückkosten der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie nur rund 10 % über denen der US-Konkurrenz. „Wir brauchen eine grundsätzliche Reform des EEG, die den Zielkonflikt zwischen Ausbau der erneuerbaren Energiequellen und Kostenentwicklung auflöst. Nur dann wird die Energiewende für die Wirtschaft auf Dauer bezahlbar. Das unterstreicht der Anstieg der EEG-Umlage, die sich 2015 für die Verbraucher auf über 24 Mrd. € summierte“, äußerte sich der VCI-Hauptgeschäftsführer in Richtung Politik.

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