www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Trotz sinkender Börsenpreise

Energieversorger verweigern Entlastung der Kunden

Freitag, 02 Januar 2015 18:43 geschrieben von  Torsten Müller
Energieversorger verweigern Entlastung der Kunden Quelle: E.on

Magdeburg - Sinkende Preise an der Strombörse kommen auch im kommenden Jahr bei den Verbrauchern kaum an. Auch die Ölpreise sind gefallen, die Energiekosten dürften allerdings – abgesehen vom Spritpreis – für die meisten Bürger konstant hoch bleiben.

Obwohl die Börsenpreise deutlich gesunken sind, geben die Energieversorger die Preisnachlässe kaum oder gar nicht an ihre Kunden weiter. Experten hatten mit deutlich höheren Nachlässen gerechnet. Jan Lengerke vom Vergleichsportal Verifox sagte dazu: „Von einer wirklichen Entlastung kann keine Rede sein.“ Im Schnitt betrage der Preisnachlass nur 0,4 Prozent oder fünf Euro pro Jahr und Haushalt. Laut Lengerke werden mit den geringen Preisnachlässen nur Preiserhöhungen aus dem Jahr 2014 ausgeglichen. Lengerke dazu wörtlich: „Im Ergebnis ist das quasi ein Nullsummenspiel für die Verbraucher.“

Insgesamt werden eigenen Ankündigungen zufolge nur 321 von insgesamt 840 deutschen Strom-Grundversorgern ihre Preise überhaupt senken, obwohl es finanziell für alle möglich wäre. Die großen Anbieter E.on, RWE und Vattenfall haben bisher nicht verlauten lassen, ob ihre Kunden von Preisnachlässen profitieren werden. RWE hat zwar durchleuchten lassen, dass eine Preissenkung anvisiert wird, aber hat bisher keinen Zeitpunkt dafür genannt. Der vierte große Stromversorger, EnBW will seine Preisnachlässe regional stark auf Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen konzentrieren.

Die Ökostrom-Umlage sinkt im kommenden Jahr erstmals, was Spielräume für Preisnachlässe bedeuten würde. Ebenfalls muss festgehalten werden, dass der Börsenpreis für die Beschaffung des Stroms in den letzten beiden Jahren von 50 Euro auf 32 Euro pro Megawattstunde gefallen ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte bereits im Herbst argumentiert, dass die Grundversorger Spielraum für spürbare Preisnachlässe haben, obwohl der von den Versorgerunternehmen beeinflussbare Preisanteil für Einkauf, Vertrieb und Gewinn trotz gesunkener Börsenpreise konstant geblieben sei. Der Verbraucherschützer Udo Sieverding sagte dazu: „Viele Versorger geben ihr Preissenkungspotenzial einfach nicht weiter. Das ist eine klare Botschaft an die Verbraucher: Wechselt den Anbieter.“

Auch im Gassektor wären in letzter Zeit deutliche Preisnachlässe möglich gewesen. Eine diesbezügliche Studie machte Folgendes deutlich: „Die Gaspreise der Verbraucher könnten im Gesamtjahr 2014 acht Prozent niedriger sein, wenn die Margen unverändert geblieben wären.“

Offenbar ist vielen Akteuren nicht am Gelingen der Energiewende gelegen.

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Schlagwörter: