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Deutsche Skatbank

Erste Bank in Deutschland erhebt Strafzinsen für Sparanlagen

Donnerstag, 30 Oktober 2014 16:14 geschrieben von  Susanne Hagel
Erste Bank in Deutschland erhebt Strafzinsen für Sparanlagen Quelle: Deutsche Skatbank

Wien - Nachdem die Europäischen Zentralbank in Frankfurt seit Sommer diesen Jahres von Banken, die ihr Geld bei ihr parken, einen Strafzins von 0,2 Prozent erhebt, wurde viel darüber spekuliert, ob dieser Negativzins auch auf deutsche Sparer umgelegt werden wird. Nun hat die erste Bank im Land diesen Schritt gewagt.

Wer sein Geld bei der Deutschen Skatbank, einer Direktbanktochter der Volks- und Raiffeisenbank, im thüringischen Altenburg zum Sparen auf sein Konto legt, muss künftig dafür bezahlen. Auf ihrer Internetseite erklärt die Skatbank: "Aufgrund der aktuellen Entwicklung am Geld- und Kapitalmarkt passt die Skatbank ihre Zinssätze entsprechend an." Ab dem ersten November liegt somit auf dem Skatbanktagesgeld ein Negativzins von 0,25 Prozent. Die kleine Genossenschaftsbank schlägt damit sogar noch 0,05 Prozent auf den negativen Einlagezins der EZB drauf. Jedoch gelte diese neue Regelung zunächst nur vermögende Kunden der Bank, sie greift für Einlagen über 500.000 Euro. Ab dieser Höhe sei bereits in der Vergangenheit kein Zins mehr gezahlt worden, hieß es. Der künftige Minuszins sei ein logisch konsequenter Schritt aufgrund der Zinspolitik der EZB, so die Skatbank.

Wieviele Anleger davon betroffen sind, ist bisher unklar. Die Deutsche Skatbank sei vor allem bei Vereinen beliebt und habe nach eigenen Angaben rund 15.000 Kunden.

"Bisher sehen wir nur eine Bank mit einem Negativzins und wegen der hohen Einlage sind Durchschnittssparer noch nicht betroffen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass andere Geldinstitute nun folgen", sorgt sich Ingo Weber, Geschäftsführer des Verbraucherportals Verivox. Nach deren Angaben mussten bereits einige Unternehmen in Deutschland vor einigen Wochen derartige "Strafzinsen" auf ihr Guthaben bei Banken zahlen. So berichtete erst kürzlich der Finanzvorstand der Baumarktkette Hornbach, Roland Pelka, von solchen Strafzinsen der Banken. "Es gibt bereits Banken, die verlangen für Anlagen bis zu drei Monaten Strafzinsen", so Pelka. Das Unternehmen lege sein Geld immer nur kurz an, um es möglichst schnell und jederzeit für Investitionen zur Verfügung zu haben. Hendrik Lodde, DZ-Bankanalyst bestätigte diese Entwicklung: "Abwehrkonditionen der Institute sind seit der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank gang und gäbe."

Nun kommt diese Entwicklung offenbar wider aller Dementi auch beim Privatkunden an. Bisher traute sich noch keine Bank, einen Strafzins bei privaten Kunden, die ihr Geld zum Sparen auf der Bank ablegen, zu erheben. Vor allem die Sorge, der Schritt könne ihre Kunden zu einem Bankwechsel veranlassen, halte die Banken bisher davon ab.

Die EZB versucht derzeit mit allen Mitteln dafür zu sorgen, dass mehr Kredite vergeben werden. Um die Konjunktur anzukurbeln, setzt sie dabei auf drastische Maßnahmen. So wurde der Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gedrückt und den Banken Strafgebühren in Form eines Negativzins für Geld auferlegt, welches auf der der EZB geparkt wird. Stattdessen sollen sich die Institute bei der Zentralbank Geld leihen.

Es scheint alles daraufhin zu deuten, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wie lange die anderen Banken sich darauf beschränken, den negativen Einlagenzins auf Unternehmen und andere Großkunden umzulegen und, dem Beispiel der Skatbank folgend, ebenfalls Privatkunden Strafzinsen drohen. Konnte man bisher noch froh sein, wenn das Tagesgeldkonto noch mit 0,5 Prozent verzinst war, wird sich dies wohl in den kommenden Wochen weiter gegen Null entwickelt - mindestens.

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