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Nationale Währung contra Gemeinschaftswährung:

Europa funktioniert unter dem Euro nicht!

Dienstag, 29 Dezember 2015 19:35 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Nationale Währung contra Gemeinschaftswährung: Nationale Währung contra Gemeinschaftswährung:

Berlin – Die Euro-Zone zeichnet sich zunehmend als Problemzone aus, deren einstmals propagandistisch verlautbarter Glanz bereits spürbar verblasst, noch ehe sie die versprochene Strahlkraft entwickelte. Banken- und Staatsschuldenkrise hinterließen in der einen zunehmenden Expansionsdrang entwickelnden Währungsgemeinschaft deutliche Spuren, die zu genau dem Makel führten, der für eine Währung existenzbedrohlich ist: einem Vertrauensverlust. Dies zeigt sich unter anderen deutlich daran, dass nun die nächsten Jahre wohl keine Erweiterungen mehr anstehen, wie EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovski wissen ließ, und zwar nicht, weil man seitens der EU-Kommission saturiert wäre. „Früher sehnten sich viele Staaten nach dem Euro, heute behalten sie lieber ihre eigenen Währungen“, äußerte er gegenüber der WELT.

Alle neuen EU-Mitgliedstaaten verpflichten sich, mit dem EU-Beitritt den Euro einzuführen, allerdings ist gegenwärtig am Beispiel Polens ersichtlich, dass sich deren Begeisterung in Grenzen hält. Und Großbritannien will trotz ihrer Sonderrolle des Beibehalts der eigenen Nationalwährung in 2017 ein Referendum über den Verbleib in der EU abhalten. Im Moment befindet sich mit Ausnahme Dänemarks kein Land im Vor-Beitritts-Status, der sich im Wesentlichen durch einen festen Wechselkurs zur Gemeinschaftswährung kennzeichnet. Vermutlich dürfte potentiellen Kandidaten auch das Missverhältnis ein Dorn im Auge sein, sich ihres währungspolitischen Instruments zu entledigen, währenddessen die Defizitsünder Italien und Frankreich sich kaum eines Sanktionsdrucks ausgesetzt sehen. Mit Blick auf das französische Wahljahr 2017 dürfte erfahrungsgemäß betreffend letzterem zudem keine überbordende Finanzdisziplin zu erwarten sein. Erst jüngst kritisierte der renommierte Volkswirt und scheidende Chef des ifo-Instituts, Porf. Hans-Werner Sinn, den Missstand einer mit Rückendeckung der EZB erfolgenden Verschleppung überfälliger Strukturreformen in Frankreich und Südeuropa. Sein Fazit ist eindeutig: „Europa funktioniert unter dem Euro nicht!“

„In der politischen Wirklichkeit geht es um Mehrheiten und nicht um Wahrheiten“, äußerte Sinn gegenüber dem Fokus, weshalb er aufgrund der überwiegend stimmungszentrierten Politik eine besondere Aufklärungspflicht bei den wissenschaftlichen Instituten sieht. Laut dem ifo-Chef bestünde im Sinne einer Abkehr von der bloßen Umverteilung der Haftung und einer Schuldenbegrenzung die Notwendigkeit der Neuverhandlung des Maastricht-Vertrags. Weiter kritisiert er aktuell die Planungen zu einem europäischen Einlagensicherungsfonds, wodurch er die deutschen Ersparnisse gefährdet sieht. Während die EU-Kommission Druck macht, drohen in Italien die ersten Banken zu kollabieren. Nicht weniger kritisch beurteilt Sinn den französischen Vorstoß bezüglich gemeinsamer Eurobonds und einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung. Der Wirtschaftsprofessor weist auch immer wieder vergleichend darauf hin, dass in der Schweiz oder den USA der Bund niemals für den Konkurs eines Kantons oder Bundesstaates eintreten würde. Die amerikanische Zentralbank kauft im Gegensatz zur EZB keine Staatspapiere von Einzelstaaten. Und auch die Schuldenlast für Deutschland sieht Sinn mit 70 %  der jährlichen Wirtschaftsleistung für deutlich zu hoch an und warnt nicht zuletzt angesichts der Kosten in der Flüchtlingsfrage vor einer Schuldenpolitik, die er für Deutschland gefährlicher als für andere bezeichnete, da er fern jeglicher Illusion feststellte, dass Deutschland niemand retten würde...

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