www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

EZB-Sitzung:

EZB beläßt Leitzins auf Rekordtief und deutet QE-Ausweitung an!

Freitag, 23 Oktober 2015 22:44 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Blick auf die EZB in Frankfurt am Main Blick auf die EZB in Frankfurt am Main Quelle: HESSEN DEPESCHE

Frankfurt am Main - Am gestrigen Donnerstag, den 22. Oktober, fand auf Malte das in diesem Jahr vorletzte Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) statt, auf dem die umstrittenen Anleihenkäufe sowie die extrem niedrige Inflation beherrschendes Thema waren. Seit längerem schauen die Finanzmärkte darauf, ob Mario Draghi die geldpolitischen Zügel noch weiter lockert, sprich das bislang auf 1,14 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm ausweitet. Seit März werden mittels Erwerbs von Staatsbonds wöchentlich Milliarden bislang vergeblich in das Bankensystem gepumpt, um der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Inflationsrate zu heben. Doch nach nun neun Monaten seit Beginn dieser QE-Maßnahme sind immer noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung zu verzeichnen sowie die Verzögerungen der angekündigten Zinsanhebungen der Federal Reserve die EZB zusätzlich unter Druck setzen. Im September waren zudem die Preise wegen der niedrigen Energiekosten um 0,1 Prozent gefallen.

Viele Ökonomen beteuern die Notwendigkeit einer QE-Ausweitung, nicht jedoch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der als einer der schärfsten Kritiker der Anleihenankäufe gilt. Weidmann sieht keinen Anlaß für eine weitergehende geldpolitische Lockerung und rät dazu, nicht in hektischen Aktionismus zu verfallen. Allerdings war der Bundesbank-Präsident bei dieser Sitzung nicht stimmberechtigt. Am Leitzins wurde am Donnerstag nicht gerüttelt, so daß dieser auf dem Rekordtief von 0,05 % verblieb. Doch räumte der EZB-Chef in der Pressekonferenz den konjunkturellen Abwärtsrisiken spürbar mehr Raum ein als evtl. eintretenden oder vorhandenen Positiveffekten. Die Markterwartung war bezüglich dieser Sitzung als sehr hoch anzusehen, nachdem bereits im Vorfeld die Mehrzahl der Akteure an den Finanzmärkten ihre Einschätzung geäußert hatten, daß wenngleich noch keine QE-Ausweitung erfolgen sollte, so aber dennoch eine ggf. diesbezügliche Bereitschaft erklärt werden würde. Zumal auch der Rückfall der Inflation unter die Nulllinie Spekulationen angeheizt hatte.

So lassen Draghis Verlautbarungen vom Donnerstag in der Tat die begründete Schlußfolgerung zu, daß die EZB in ihrer letzten Sitzung am 03.12. diesen Jahres die Geldpolitik erneut lockern wird. Entweder wird das monatliche Ankaufvolumen erhöht, die Konditionen werden verändert oder das Programm länger als geplant fortgesetzt. Welches Instrument bzw. welche Instrumente im Dezember zur Anwendung kommen wird/werden, oder ob es eine Kombination diverser Varianten sein wird, ist Gegenstand der internen Beratung. Mit jeder Ausweitung der lockeren Geldpolitik dürfte sich aber auch der Kreis der Kritiker mit ausweiten, derer einige bereits gestern die angedachten Maßnahmen in den Rang einer Verzweiflungstat verwiesen.

Artikel bewerten
(1 Stimme)
Schlagwörter: