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Euro auf mediterranem Kurs

EZB-Draghi will griechische Schrottpapiere aufkaufen

Mittwoch, 01 Oktober 2014 22:40 geschrieben von  Torsten Müller
EZB-Präsident Mario Draghi EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: EZB

Frankfurt am Main - Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi will offenbar dazu übergehen, Schrottpapiere aus Griechenland und Zypern aufzukaufen, um der Kreditklemme entgegenzutreten. Die Regeln hierfür sollen entsprechend geändert werden.

Die geplante Maßnahme konzentriert sich auf gebündelte Kredite, die als relativ sicher gelten, weil deren Gläubiger im Falle eines Kreditausfalls zuletzt haften müssten, was keine große Beruhigung für die Steuerzahler sein sollte. Sollte der EZB-Rat am Donnerstag diesen Plänen des Direktoriums folgen, könnte die EZB künftig Investment-Instrumente aller Mitgliedsstaaten der Euro-Zone kaufen.

In Deutschland werden die Pläne der EZB mehrheitlich sehr kritisch gesehen, weil sie darauf hinauslaufen, weiterhin billiges Geld in die Märkte zu pumpen, ohne dass strukturelle Reformen und Maßnahmen daran geknüpft werden. Auch der Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, dürfte sich dagegen aussprechen, würde aber wohl überstimmt werden.

Auch wird erwartet, dass Draghi bei der Sitzung am Donnerstag konkrete Details zum beabsichtigten Aufkauf von Kreditverbriefungen, den so genannten Asset Backet Securities (ABS), vorlegen wird. Ziel dieser Maßnahmen ist, die Banken zu ermuntern, wieder mehr Kredite vor allem in die europäischen Krisenländer zu geben. Das Risiko trägt – wie immer – der Steuerzahler.

Die EZB könnte mit den angedachten Maßnahmen möglicherweise ihr geldpolitisches Mandat überschreiten, wogegen die Bundesregierung unter Zuhilfenahme des Bundesverfassungsgerichts einschreiten könnte und müsste. Auch jeder Bürger wäre berechtigt, dagegen juristisch vorzugehen, schließlich werden die Ausfallrisiken der Banken von der EZB übernommen, was am Ende dazu führt, dass die Steuerzahler wieder die Dummen sind, auf die die Kosten des zu erwartenden Desasters übertragen werden.

Die Börsen würden auf die geplanten Maßnahmen Draghis sicher kurzfristig positiv reagieren, aber vielen Analysten und Finanzmarktakteuren dämmert auch schon die Gewissheit, dass die fahrlässige Politik des billigen Geldes irgendwann vorbei sein wird. Dann wird das Katzengejammer groß sein, weil viele Gewinne nicht auf Substanz, sondern auf blindem Vertrauen beruhen und letztlich zur Bildung von Blasen an den Finanzmärkten geführt haben.

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