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Mario Draghi dirigiert mit bis zu einer Billion Euro den Weg zur Lira

EZB nimmt nun auch Papiere mit einer schlechteren Bonität als BBB

Freitag, 03 Oktober 2014 21:50 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
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Neapel - Die Tagung des EZB-Rats in Neapel hat am 02. Oktober genau die vorab von vielen namhaften Ökonomen befürchteten Ergebnisse zu Tage gefördert. Bundesbankpräsident Jens Weidmann wurde - wie abzusehen war – von seinen Ratskollegen überstimmt. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand, in welchem Maße die EZB abgesehen von der Dauerniedrigzinspolitik ihr angekündigtes Ankaufprogramm von Kreditverbriefungen gestalten möchte. In der anschließenden Pressekonferenz teilte EZB-Präsident Mario Draghi mit, daß bereits Mitte Oktober mit dem Ankauf von Pfandbriefen begonnen und im Verlaufe des vierten Quartals der Ankaufstart von Kreditverbriefungen nachfolgen werde. Der Umfang des beschlossenen Programms ist enorm, möchte doch Mario Draghi innerhalb von nur zwei Jahren die gigantische Summe von bis zu einer Billion Euro in den Markt pumpen. Inflationsgefahren fürchtet Draghi nicht, da er vielmehr bestrebt ist, eine solche dezidiert zu importieren. Gegenüber dem Dollar hat der Euro in den letzten fünf Monaten bereits rund zehn Prozent an Wert verloren.

Als eine der brisantesten Fragen galt, welche Ratings der anzukaufenden Papiere die Zentralbank akzeptieren würde, wobei allein schon aufgrund des schieren Volumens des Ankaufprogramms ersichtlich sein mußte, daß hier nicht ausschließlich von Triple-A-Papieren die Reden sein kann, zumal diese auch anderweitige am Markt Abnehmer finden. Seit der Neapel-Zusammenkunft ist nun klar, daß die EZB nicht lediglich ABS-Papiere zu kaufen gedenkt, die den bisherigen Qualitätsansprüchen für Pfandhinterlegungen im Kreditgeschäft mit den Geschäftsbanken gerecht wurden, sprich mindestens BBB-, sondern auch Papiere,  beispielsweise griechischer und zyprischer Banken, mit schlechterem Kreditrating und folglich höherer Ausfallwahrscheinlichkeit. Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt bislang vergeblich vor einer derartigen Übertragung von Bankenrisiken auf die Zentralbank. Als einer der bedeutungsvollsten Hinweise mit dem nun beschlossenen EZB-Ankaufprogramm darf derjenige des Professors für Wirtschaftswissenschaft der Princeton-Universität Markus Brunnermeier gewertet werden, der empfiehlt, die EZB solle wenigsten neue ABS kaufen, um den Markt aufzubauen, als durch die Hintertür eine Bankenrekapitalisierung zu betreiben, indem man ihnen ABS-Altbestände womöglich aus Zeiten vor der Krise von tendenziell schlechter Qualität zu überhöhten Preisen abkauft.

Mit Blick auf die Wirksamkeit des EZB-Programms wies Mario Draghi darauf hin, daß ein Erfolg der Maßnahmen im Einklang mit politischen Weichenstellungen liegen würde, wobei es gerade unter diesem Aspekt als bedenklich angesehen werden darf, wenn Frankreich nicht nur dieses Jahr, sondern wohl auch bis 2016 die Defizitgrenze  überschreiten wird, und sich Italien einer einsetzenden Rezession gegenübersieht.

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