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Unsichere Finanzmärkte

EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen warnt von Blasenbildung

Montag, 27 April 2015 16:00 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Hauptsitz der EZB in Frankfurt/Main Hauptsitz der EZB in Frankfurt/Main Quelle: DERFFLINGER

Frankfurt am Main - Die Angst vor Finanzblasen bzw. deren Platzen ist nicht allein ein Gefühl, daß Wirtschaftsexperten bekannt ist, denn spätestens nach der Finanz- und der Staatsschuldenkrise seit 2007/08 sind die wirtschaftlichen Dominoeffekte die Finanzblasen auslösen können als gesamtgesellschaftliches Problem in ein breiteres Blickfeld geraten. Kreditblasen, Immobilienblasen, Anleiheblasen, Ausweitung der Geldmenge M3 und so fort lauteten die letzten Jahre die diversen Warnmeldungen, die sich wechselseitig aufeinanderfolgten. Zu Übertreibungen und deren Bereinigungen kommt es im Marktgeschehen zwar ständig sowie auch bislang keine der ungesund erscheinenden Entwicklungen gewisser Anlageklassen einem abrupten Crash erlagen, jedoch sind die zum Teil sogar politisch mit zu verantwortenden potentiellen Gefahren über das vergangene halbe Jahrzehnt zu keinem Augenblick mehr zu leugnen gewesen.

Da die EZB-Maßnahmen wie beispielsweise Niedrigzinspolitik und/oder Anleihenankaufprogramm als klassische Auslöser für eine Blasenbildung gelten, war bzw. ist erwartbar von dieser Seite kaum bis wenig Gefahrenprognose zu hören. Umso bemerkenswerter ist es, daß seitens eines EZB-Ratsmitglieds, nämlich dem finnischen Notenbankpräsident Erkki Liikanen nun expressis verbis vor einer Blasenbildung an den Finanzmärkten gewarnt wurde, und er diese auch auf die Politik des sogenannten billigen Geldes zurückführt. Gegenüber der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ machte Liikannen deutlich, daß es aufzupassen gelte, da eine noch länger andauernde Niedrigzinsphase ihre Risiken in sich berge. Er fordert zwar schärfere regulatorische und aufsichtsrechtliche Instrumentarien, was die Intensität seiner geäußerten Befürchtungen zu unterstreichen geeignet scheint, doch bleibt die Frage im Raum, ob Problemen in zinspolitisch bereits verzerrten Märkten mit geldmengen- und zinsunwirksamen Maßnahmen beizukommen ist.

Sehenden Auges der potentiellen Gefahr gegenüber rechtfertigt der Notenbanker dennoch eine ungeschmälerte Fortsetzung der Anleihekäufe. Dies mag umso mehr überraschen, da dies aus dem Munde einer ausgewiesenen Wirtschaftsfachkraft mit einem so wenig ökonomisch anmutenden Argument begründet wird, wie man hätte Erwartungen geweckt und müsse nun angeblich liefern. Ebenso hätten auch die Kreditinstitute argumentieren können, die in Übersee nicht solventen Eigenheimkäufern die Subprime-Kredite bewilligten, und dennoch wäre es nicht weniger verhängnisvoll gewesen. Auch die Behauptung, das Ziel der Preisstabilität erfordere das derzeitige EZB-Handeln, verwirrt, da exakt diese Preisstabilität - wie selten in der EZB-Historie der Fall - nahezu punktgenau erreicht ist. Das stets zitierte 2%-Inflationsziel ist trotz der häufigen Erwähnung auch keineswegs statutenrechtlich für die EZB verpflichtend niedergeschrieben.

Auch zur Struktur der Bankenlandschaft äußerte sich der Finne und weist auf die großen Institute hin. Es müsse, so das EZB-Ratsmitglied, verhindert werden, daß größere nach wie vor von impliziten Staatsgarantien profitierende Banken zu hohe Risiken eingingen. Bedauerlicherweise wurde Liikanen nicht danach gefragt, wie es sich aus dieser Perspektive mit den Notenbanken und deren eingegangenen Risiken verhält. Es dürfte vermutlich wenig zur Beruhigung von Wirtschaftsakteuren und Gesellschaft beitragen, wenn hochrangige Amtsinhaber eine Bestätigung von Risiken bekräftigen, jedoch den Anschein hinterlassen, aus selbstverschuldeten Sachzwängen heraus nicht den Mut zu konsequenten Lösungswegen zu besitzen.

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