www.derfflinger.de

Freigegeben in Wirtschaft

Umstrittene Cum-Ex-Geschäfte

Finanzaufsicht schließt Maple Bank

Dienstag, 09 Februar 2016 22:21 geschrieben von  Susanne Hagel
Logo der Maple Bank GmbH Logo der Maple Bank GmbH Quelle: Maple Bank GmbH

Berlin - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die sofortige Schließung der Maple Bank in Frankfurt am Main angeordnet. Dem Tochterunternehmen der kanadischen Maple Financial Group drohe eine Überschuldung durch eine zu bildende Steuerrückstellung. Die Bank war aufgrund umstrittener Cum-Ex-Geschäfte ins Visier der Ermittler geraten.

Rund 450 Millionen Euro soll die Bank dem Staat in den Jahren 2006 bis 2010 unterschlagen haben. Die letzte Bilanz aus dem September 2014 wies ein Eigenkapital der Bank in Höhe von 378 Millionen Euro aus. Weil deshalb fraglich ist, ob die kleine Bank die Summe überhaupt zurückzahlen kann, wurden „zur Sicherung von Vermögenswerten“ mit sofortiger Wirkung der Zahlungsverkehr eingestellt und der Kundenverkehr geschlossen, erklärte ein Sprecher der BaFin. Eine Bedrohung für die Finanzstabilität gebe es jedoch nicht.

Es handele sich bei dem Institut um einen eher kleinen Anbieter, der auf Investmentbanking, Aktien- und Rentenhandel, Wertpapierleihen und ähnliches spezialisiert sei. Die Bilanzsumme liegt vergleichsweise niedrig bei rund fünf Milliarden Euro. Der Großteil der Verbindlichkeiten in Höhe von 2,6 Milliarden Euro entfalle auf institutionelle Anleger, teilte BaFin mit. Die Bank ist Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken, die Einlagen also auch über den gesetzlichen Rahmen von 100.000 Euro weitgehend geschützt.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt gegen elf ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Unternehmens aufgrund umstrittener Cum-Ex-Geschäfte. Die Bänker stehen im Verdacht Steuern im Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags hinterzogen und Geldwäsche betrieben zu haben. Bereits im vergangenen September hatten deshalb 285 Staatsanwälte, Steuerfahnder und BKA-Beamte Durchsuchungen von Geschäftsräumen und Wohnungen verdächtiger Mitarbeiter durchgeführt. „Die Ermittlungen dauern an“, bestätigte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Alexander Badle. „Es sind umfangreiche Informationen auszuwerten.“

Cum-Ex-Geschäfte bezeichnet den Handel mit Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch rund um den Dividendenstichtag: Schiebt man die Aktien während dieser Zeit rasch zwischen mehreren Beteiligten hin- und her, können diese sich die Bescheinigungen über die Kapitalertragssteuer mehrfach ausstellen und sich damit die Steuer erstatten lassen. Gezahlt wurde sie hingegen nur einmal. Dem Bundesfinanzministerium entstanden so Steuerausfälle im Milliardenbereich. 2012 wurde das Schlupfloch schließlich geschlossen. Seither beschäftigt sich die Justiz mit den Fällen vor der Gesetzesänderung.

Insgesamt stehen zahlreiche Institute aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, den USA und weiteren Staaten in Verdacht, umstrittene Cum-Ex-Geschäfte zulasten der deutschen Staatskasse betrieben zu haben. Neben der Hypo-Vereinsbank wurden auch der LBBW in Baden-Württemberg und der HSH Nordbank bereits Steuerhinterziehung nachgewiesen.

Artikel bewerten
(0 Stimmen)