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Finanzdienstleistungen

FinTech-Standort Deutschland

Samstag, 20 Februar 2016 08:28 geschrieben von  Rüdiger Dietrich
Banken Banken Quelle: PIXABAY.COM

Berlin – FinTech ist der Sammelbegriff für die Neu- bzw. Weiterentwicklung von modernen technologischen Anwendungssystemen im bislang von den klassischen Bankinstituten dominierten Finanzdienstleistungsbereich. Seit erst wenigen Jahren versuchen sich junge FinTech-Startups darin, den traditionellen Finanzhäusern Marktanteile abzunehmen, indem sie auf den Wettbewerbsvorteil abzielen, ihre Geschäfte ohne Banklizenz betreiben zu können und somit die hohe Markteintrittshürde der Bankenregulierung umgehen. Aus Gesichtspunkten des Verbraucherschutzes ist dies keineswegs unumstritten. Die Investitionen in FinTech-Unternehmen belaufen sich auf weltweit inzwischen zweistellige Milliardenbeträge, wobei die USA mit einem Anteil von etwa 60 % eine führende Stellung einnehmen. Ebenso wie Großbritannien, das ca. die Hälfte des „FinTech 50“-Rankings aus dem Jahr 2014 auf sich verbuchen konnte. Deutschland hingegen kommt bislang nicht einmal auf einen Anteil von nur einem Prozent aller Investitionen. Dennoch sind die deutschen Banken bemüht, sich dieser Entwicklung zu stellen.

„FinTechs sind ein wichtiger Impulsgeber für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts, sie sind nicht nur Wettbewerber, sondern vor allem Partner der Banken. Mit ihren innovativen Ansätzen dienen sie Wirtschaft und Kunden gleichermaßen. Diese positiven Impulse gilt es ‒ gerade im europäischen Wettbewerb der Finanzstandorte ‒ zu unterstützen und zu fördern“, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Der digitale Umbruch im Bereich der Finanzindustrie dürfe nicht verschlafen werden und der  Wettbewerb um die Ansiedlung von FinTechs sei bereits in vollem Gange, konstatiert der Bankenverband und fordert seitens der Politik zielgerichtete Entscheidungen, wobei er aus Gründen der  Attraktivität des Finanzplatzes Deutschland folgende fünf Maßnahmen für vordringlich erachtet:

1. Finanzdienstleister brauchen in einer angemessenen Zeit seitens der Bank- und Marktaufsicht verbindliche Auskünfte zur regulativen Behandlung ihrer Tätigkeit. Dies hilft insbesondere FinTechs, die dann mit Rechtssicherheit auf Investorensuche gehen können.

2. Neu zu schaffende Beratungseinheiten könnten neue Finanzdienstleister, vor allem FinTechs, im Prozess der regulativen Prüfung und ggf. Genehmigung von Geschäftsmodellen unterstützen.

3. Relevante Datenschutzfragen sollten auf Bundesebene konzentriert bzw. verlässlich zwischen den Ländern koordiniert werden.

4. Eine weitere europäische Integration im Zivilrecht sowie in Fragen des Verbraucher- und Datenschutzes ist notwendig, um grenzüberschreitend Dienstleistungen anbieten zu können.

5. Der regionale Standortwettbewerb innerhalb Deutschlands sollte zugunsten einer gemeinsamen Vermarktung des Finanz- und FinTech-Standortes Deutschland konzentriert werden.

Letzte Änderung am Samstag, 20 Februar 2016 08:34
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