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Vorsicht ist geboten

Geschäfte mit Ulrich Jehle und Jürgen Steinhauser: Droht Schiffbruch mit der Maritim Vertriebs GmbH?

Mittwoch, 19 August 2015 16:32 geschrieben von  Enno-Martin Cramer
Maritim Vertriebs GmbH Maritim Vertriebs GmbH Quelle: Maritim Vertriebs GmbH

Kempten – Die Maritim Vertriebs GmbH hat es sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gestellt, Anlegern „einmalige Investitionsmöglichkeiten in den Öl & Gas Offshore- und Infrastrukturmarkt“ zu bieten. Dabei geht es vornehmlich um Investitionen in Gesellschaften, die Spezialschiffe wie Ankerziehschlepper (AHT) bereitstellen, die für die Verbringung und Installation von Bohr- und Förderplattformen auf hoher See benötigt werden. Neben privaten Investoren sollen, so heißt es, auch „renommierte Adressen“ aus den Bereichen Banken, Versicherungen, Family Offices und Vermögensverwaltung mit Einlagen an den Projekten beteiligt sein. Welche Unternehmen sich dahinter genau verbergen, bleibt unklar – wie so manches bei der Maritim Vertriebs GmbH.

Aktuell ist das Unternehmen aus Kempten im Allgäu mit der Maritim Offshore Anleihe II 2014/16 (ISIN: DE000A13R5R8) am Start. Das Papier konnte vom 10.11. bis 21.11.2014 gezeichnet werden, hat eine Laufzeit bis zum 01.06.2016, ein Anleihevolumen von bis zu 25 Millionen Euro (Stückelung: 1.000 Euro) und soll jährlich 8,25 % Rendite abwerfen. Klingt zunächst einmal nach einem lukrativen Investment – wäre da nicht die Sache mit einer anderen Anleihe, die das Unternehmen zuvor platziert hatte.

Gemeint ist jene Offshore-Anleihe, die von der Maritim Vertriebs GmbH im Mai 2012 mit einem Volumen von bis zu 25 Millionen Euro emittiert wurde (ISIN: DE000A1MLY97). Bei einer Laufzeit bis 30.11.2014 versprach die Gesellschaft bei einem damaligen BB+ Rating (Creditreform) ebenfalls eine Rendite von 8,25 % p.a., wobei der Emissionserlös hauptsächlich in Vorzugskapitalia von sechs AHT-Einschiffsgesellschaften floss.

Zweifel an dem Geschäft kamen auf, als das von den Geschäftsführern Jürgen Steinhauser und Ulrich Jehle geleitete Unternehmen für den 28.08.2014 zu einer Gläubigerversammlung in Kempten einlud, auf der die Verlängerung der Anleihe um 5 Jahre sowie eine Absenkung des Zinskupons von 8,25 % auf 3,25 % beschlossen werden sollte. Zwar sprach man von einem „höchst erfreulichen Geschäftsverlauf“ der gehaltenen Beteiligungen, belegt wurde dies allerdings nicht. Vielmehr fehlten die Jahresabschlüsse für 2012 und 2013. Kein Wunder also, dass die Anleihe daraufhin im Handel massiv einbrach.

Tatsächlich ist die Performance der Maritim Vertriebs GmbH – gelinde gesagt – eher mau, die Bilanzzahlen werfen Fragen auf. Ein Jahresabschluss für 2014 liegt noch nicht vor, ziemlich verspätet präsentierte das Unternehmen dann aber doch noch die Zahlen für 2012 und 2013. Aus den Unterlagen ist ersichtlich, dass die Bilanzsumme des Jahresabschlusses 2013 zwar 26.216.298,43 Euro betrug, jedoch einen Fehlbetrag von satten 3.401.834,18 Millionen Euro auswies, der – und hier sollten bei Investoren die Alarmglocken schrillen – nicht durch Eigenkapital gedeckt ist. Im Jahr davor wies die Bilanz „nur“ ein Minus von 1.048.546,69 Euro aus. Das heißt: Der Jahresfehlbetrag hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht!

Wenn das so weitergeht, könnte der Maritim-Dampfer bald Schiffbruch erleiden. Anleger sollten sich also genau überlegen, ob eine Investition in die Anleihen der Maritim Vertriebs GmbH sinnvoll ist. Die letzte Pressemitteilung des Unternehmens datiert auf den 30.03.2015 und behandelt die Übergabe von drei AHT-Schiffen an einen neuen Eigentümer. Seitdem könnte sich eine Menge getan haben – die Maritim lässt es die Öffentlichkeit nur leider nicht wissen.

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